Bienen

Artenschutz mit Gentechnik?

Der Lebensraum der Biene wurde so gravierend verändert, dass das Überleben vieler Bienenvölker bedroht ist. Es gibt zwei Strategien, um diesem Problem zu begegnen: Entweder man schafft (wieder) eine bienenfreundlichere Umwelt oder man schafft eine neue Biene. Letzteres versucht die Gentechnik: Bienen so zu verändern, dass sie an die veränderten Bedingungen angepasst sind und überleben können. 2014 zeigten deutsche WissenschaftlerInnen, dass man die Gen-Schere CRISPR/Cas auch an Bienen anwenden kann. 2019 erschien in Südkorea eine Forschungsarbeit, nach der Bienen mithilfe von CRISPR resistent gegen ein Insektengift gemacht wurden. 2020 wurde publiziert, dass man mit CRISPR ihren Geruchssinn blockieren kann.

Es gibt auch Projekte, bei denen die Darmflora der Bienen verändert wird: ForscherInnen der Universität Austin (Texas) haben das Erbgut von Bakterien, die natürlicherweise im Darm von Bienen und Hummeln vorkommen, so verändert, dass diese einen zusätzlichen Botenstoff (sogenannte doppelsträngige Ribonukleinsäure, dsRNS) produzieren. Diese Botenstoffe können über die Artgrenzen hinweg in die Genregulation eingreifen. Dieser Stoff soll anschließend aus dem Darm aufgenommen, sich im Körper der Bienen verteilen und so bis in deren Gehirn gelangen. Die Moleküle sollen unter anderem das Verhalten der Bienen beeinflussen, um deren Effektivität beim Bestäuben zu erhöhen. Weitere Anwendungen betreffen die Abwehr von Parasiten wie Varroa-Milben oder den Abbau von Pestiziden im Körper der Bienen.

Laut einer US-Patentanmeldung (US 2019 / 0015528 A1), die auf diesen Forschungsergebnissen basiert, werden nicht nur die Bakterien, sondern auch die Bienen sowie alle anderen Insekten beansprucht, in deren Darm die Gentechnik-Bakterien zu finden sind. Das Patent ist ein klarer Hinweis darauf, dass geplant ist, mit den Gentechnik-Mikroben auch Geschäfte zu machen.

Besonders problematisch: Falls Bienen mit diesen Mikroben freigesetzt würden, ist nicht auszuschließen, dass sich die Bakterien auch bei anderen Bienenvölkern oder sogar bei wilden Verwandten wie Hummeln einnisten. Zudem können die synthetischen Gene auch auf andere Bakterienarten übertragen werden. Im Ergebnis könnte nach einer Freisetzung die Ausbreitung der Organismen und ihrer Gene nicht wirksam begrenzt werden.

Es gibt derzeit eine ganze Reihe von Projekten, die darauf abzielen, aus der gentechnischen Veränderung von Mikroorganismen ein neues Geschäftsfeld zu entwickeln. Dabei erlangt die sogenannte ‚Paratransgenese‘ ein wachsende Bedeutung: Anstatt die Zielorganismen (wie Bienen) direkt zu manipulieren, verändert man die Mikroorganismen (wie Darmbakterien), die mit ihnen assoziiert sind. Diese können dann über Botenstoffe auch die Eigenschaften ihrer ‚Wirte‘ verändern. Diese komplexen Wechselwirkungen gehen mit einer neuen Dimension von Umweltrisiken einher.

Dieses Beispiel zeigt, dass eine ‚indirekte‘ gentechnische Veränderung (Paratransgenese) von Bienenvölkern (und auch wildlebenden Insekten) über deren Darmflora möglich ist. Obwohl die damit einhergehenden Umweltrisiken weder ausreichend abgeschätzt noch wirksam kontrolliert werden können, gibt es bereits Interesse, entsprechende gentechnisch veränderte Organismen zu vermarkten.

 

Publication year: 
2020