Bienen

Artenschutz mit Gentechnik?

Worum geht es?

Vor allem durch die industrielle Landwirtschaft geraten Bienen erheblich unter Stress: Sie sind durch Spritzmitteleinsatz diversen Giften ausgesetzt und ihnen fehlen oft geeignete Blütenpflanzen. Auch der zunehmende Befall mit Parasiten kann durch diese Faktoren begünstigt werden. Kurz: Der Lebensraum der Biene wurde so gravierend verändert, dass das Überleben der Bienenvölker bedroht ist.
Da Bienen vor allem als Bestäuber dringend benötigt werden, gibt es zwei Strategien, um diesem Problem zu begegnen: Entweder man schafft (wieder) eine Bienen-freundlichere Umwelt, oder man schafft eine neue Biene.
Letzteres versucht die Gentechnik: Bienen so zu verändern, dass sie an die veränderten Bedingungen angepasst sind und überleben können. Noch ist man zwar nicht so weit, dass gentechnisch veränderte Bienen freigesetzt werden sollen. Doch eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Publikationen zeigt, dass CRISPR an Bienen bereits wiederholt eingesetzt wurde. Und 2019 erschien in Südkorea die erste Publikation über eine Forschungsarbeit an Bienen, die mit CRISPR angeblich resistent gegen ein Insektengift gemacht wurden.

 

Was ist problematisch?

Die Interaktionen zwischen Bienen und ihrer Umwelt sind vielfältig und sehr komplex.
Zum einen sind Bienenvölker als Ganzes selbst eine Art Superorganismus: Bienen beeinflussen u.a. über die Nahrung die Genaktivität ihrer Nachkommen und sorgen so dafür, dass je nach Bedarf Arbeiterinnen oder Königinnen entstehen. Greift man in das Genom der Insekten oder deren Genregulation ein, ist somit immer das ganze Bienenvolk betroffen, nicht nur einzelne Tiere. Tatsächlich versucht man mit CRISPR gezielt in die Entwicklung von Bienen-Königinnen einzugreifen, was bedeutet, dass ganze Bienenvölker gentechnisch verändert werden würden.
Zum anderen haben Bienenvölker einen Flugradius von vielen Kilometern und ein breites Spektrum von Pflanzen, das sie bestäuben. Dabei kommen sie auch mit den in der Landwirtschaft eingesetzten Pestiziden in Kontakt. In mehreren wissenschaftlichen Publikationen wird die Möglichkeit erwähnt, Bienen mittels Gentechnik gegen den Einsatz dieser Spritzmittel resistent zu machen. Derartige Bemühungen werden oft als ‚Artenschutz mit Gentechnik‘ angepriesen.
Doch die Probleme des Artensterbens lassen sich nicht mit Gentechnik lösen. Wer die Biene retten will, muss auf den Schutz der natürlichen Populationen setzen. Vor dem Hintergrund der extrem komplexen Biologie der Bienen und ihrer vielfältigen Interaktionen mit der Umwelt ist ein Eingriff in ihr Erbgut nicht zu verantworten.

 

Weitere Informationen:

Mit Hilfe der neuen Gentechnik werden auch neue biologische Botenstoffe, miRNAs, synthetisiert. Mit diesen kann in die Regulation der Gene eingegriffen und deren Aktivität verändert werden. Die miRNA soll über das Futter verabreicht werden und über die Biene auch von den Parasiten, insbesondere der Varroa-Milbe, aufgenommen werden. Dort soll sie in die Genregulation eingreifen und so die Milben töten. Monsanto (Bayer) hat u.a. bereits Patente auf derartige gentechnisch veränderte miRNA angemeldet. Und der Konzern hält das Geschäft mit seinem neuen Arsenal der „biologischen Kriegsführung“ offensichtlich für ausbaufähig: Auch andere Arten, die u.a. zu den Schlupfwespen, Krebstieren und Fliegen gehören, sollen auf diese Weise bekämpft werden.
Bienen könnten so auch zum Überträger von Bakterien und Parasiten werden, die aufgrund des Eingriffs in die Genregulation unbeabsichtigte Veränderungen aufweisen. Aber auch die Bienen selbst könnten geschädigt werden. Grundsätzlich ist miRNA über Artgrenzen hinweg aktiv. Unter Umständen kann auch die Zusammensetzung des Honigs betroffen sein: Es ist anzunehmen, dass die neue miRNA auch dort zu finden wäre.

 

Publication year: 
2019