Pseudo-frische Äpfel mit Resistenzen gegen Antibiotika

 

Worum geht es?

Die kanadische Firma Okanagan Specialty Fruits hat Äpfel gentechnisch so manipuliert, dass sich deren Schnittfläche nicht mehr verfärbt, wenn sie mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Aufgeschnittene Äpfel sehen somit auch dann noch appetitlich frisch aus, wenn sie es längst nicht mehr sind. Erzielt wird dieser Effekt durch einen Eingriff in die Genregulation: Die Aktivität mehrerer natürlicher Gene wird durch die Bildung von zusätzlichen Botenstoffen, sogenannter miRNA, blockiert. Im Herbst 2016 wurde in Nordamerika die erste kommerzielle Ernte der sogenannten „Arctic Apples“ eingefahren. Im November 2017 fanden die ersten Äpfel ihren Weg in US-Lebensmittelgeschäfte – geschnitten und in Plastik verpackt. Für VerbraucherInnen ist nicht direkt einsehbar, dass es sich um gentechnisch veränderte Äpfel handelt. Lediglich über einen QR-Code auf der Verpackung ist diese Information abrufbar (vgl.: nature.com).

 

Was ist problematisch?

  • VerbraucherInnen werden gezielt getäuscht: Auch alte Äpfel sehen immer noch frisch aus.
  • Die biologische Funktion der in den Pflanzen blockierten Gene ist nicht genau bekannt. Möglicherweise spielen diese eine Rolle bei der Abwehr von Schädlingen. Die Äpfel könnten so anfälliger für Krankheiten werden.
  • Die beteiligten WissenschaftlerInnen haben es nicht geschafft, die zusätzliche DNA wie geplant einzubauen. Das Erbgut der Apfelbäume enthält deshalb mehrere Kopien und Bruchstücke der Gen-Konstrukte, was die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Nebeneffekte erhöht.
  • Eingebaut wurde auch ein bakterielles Gen, das eine Resistenz gegen Antibiotika verleiht. Dieses Gen wurde dazu verwendet, die Pflanzen zu erkennen, die erfolgreich gentechnisch verändert wurden. Nach dem Wortlaut von EU-Richtlinien sollen derartige Gene bei der Herstellung von gentechnisch veränderten Pflanzen jedoch möglichst vermieden werden. Hintergrund ist die Befürchtung, dass die Resistenz-Gene auf Mikroorganismen übertragen werden könnten. Jedenfalls haben diese Gene im natürlichen Erbgut von Äpfeln keinen Platz und durch Störung anderer Genfunktionen können unterschiedliche Risiken entstehen.
  • Es wurde nicht im Detail geprüft, wie sich die gentechnische Veränderung auf Bestäuberinsekten wie Bienen oder langfristig auf die menschliche Gesundheit auswirkt.

Der Apfel ist kein Einzelfall: Es gibt bereits gentechnisch veränderte Champignons und Kartoffeln, die ebenfalls nicht bräunen sollen. Was passiert mit unseren Lebensmitteln, wenn immer mehr Nahrungspflanzen auf diese Weise verändert sind? Wie wirkt sich dies dauerhaft auf den menschlichen Organismus aus?

 

Weitere Informationen:

Die in aktuell diskutierten Freihandelsverträgen wie CETA festgelegten Regeln sind nicht ausreichend, um die in der EU gültigen Standards abzusichern. Im Rahmen solcher Freihandelsabkommen könnten Gentechnik‑Äpfel, ‑Champignons und/oder ‑Kartoffeln auch ohne Kennzeichnung auf den europäischen Markt gelangen.
Die Firma Okanagan Speciality Fruits Inc., die die Äpfel herstellt, hat ihren Sitz in Kanada und wurde 2015 vom US-Unternehmen Intrexon aufgekauft. Die Investoren von Intrexon scheinen vor allem daran interessiert, möglichst bald möglichst viel Profit zu machen. Gegründet wurde das Unternehmen vom Milliardär Randal J. Kirk. Es hat Patente angemeldet, in denen u.a. genmanipulierte Mäuse, Ratten, Katzen, Hunde, Rinder, Schweine, Pferde, Schafe und Schimpansen als Erfindung beansprucht werden. Intrexon produziert auch Gentechnik-Insekten, Gentechnik-Lachs und geklonte Bullen und kooperiert mit der FuturaGene Group bei der Entwicklung von Gentechnik-Bäumen. Zu den Vorständen von Intrexon gehört Robert B. Shapiro, der ehemalige Geschäftsführer von Monsanto. Das Unternehmen verspricht seinen Investoren eine aggressive Markteinführung der gentechnisch veränderten Organismen.

 

Im Rahmen unserer verschiedenen Mitmachaktionen im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 haben wir Stellungnahmen von PolitikerInnen verschiedener Parteien erhalten und veröffentlicht. Dieser Dialog mit der Politik ist auch Ihrem Engagement zu verdanken! Vielen Dank dafür!

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Publication year: 
2016