Wo bleibt die journalistische Ausgewogenheit, liebe Süddeutsche Zeitung?

Testbiotech vermisst journalistische Sorgfalt und Unvoreingenommenheit

17. August 2018 / Die Süddeutsche Zeitung (SZ) kritisiert heute Testbiotech und die 2017 eingerichtete „Fachstelle Gentechnik und Umwelt“. Testbiotech erhalte Steuergelder um Meinungsbildung zu betreiben, sei aber nicht unabhängig und würde auch nicht wissenschaftlich arbeiten. Im Beirat der Fachstelle gäbe es keine WissenschaflerInnen. Zudem gäbe es an diesem Projekt kein ausreichendes Interesse, um eine Finanzierung aus öffentlichen Geldern zu rechtfertigen.

Testbiotech hat die Antragsunterlagen, die zum Projekt der „Fachstelle für Gentechnik und Umwelt“ geführt haben, in vollem Wortlaut veröffentlicht und dazu auch einen Hintergrund mit Fragen und Antworten erstellt. Wie man auf unserer Website nachlesen kann, wird mit den beantragten Geldern eine wissenschaftliche Stelle finanziert. Diese Stelle wurde nach öffentlicher Ausschreibung mit einer Wissenschaftlerin besetzt, die vorher am Max-Planck-Institut in Berlin u.a. mit der Gen-Schere CRISPR-Cas gearbeitet hat. Die Wissenschaftlichkeit des Projektes soll nicht durch den Beirat gewährleistet werden, sondern nach sonst üblichen wissenschaftlichen Maßstäben wie einem 'Peer Review' von Publikationen. Als erste Teilergebnisse wurde eine Reihe von Hintergrundpapieren erstellt, die weiter aktualisiert und vertieft werden. Der Vorwurf, dass bei der Fachstelle die „Meinungsmache“ im Vordergrund stehe, ist durch nichts zu belegen.

Der gesellschaftliche Nutzen der Fachstelle Gentechnik und Umwelt ist evident: Wir alle sollten Interesse an einer informierten Diskussion haben – gerade wenn es um komplexe und kontroverse Themen wie die Gentechnik geht. Derzeit fehlt in der Forschungslandschaft rund um das Thema Gentechnik aber oft die nötige Vielfalt wissenschaftlicher Sichtweisen: Große Teile der Forschungsgelder werden mit dem Ziel investiert, neue, vermarktbare Produkte zu erforschen. Innovative Forschung ist wichtig. Forschung, die einen Fokus auf Umwelt- und Verbraucherschutz legt, jedoch ebenso. Die Gesellschaft ist auf unterschiedliche Forschungsansätze angewiesen, wenn sie vernünftige Entscheidungen über den Umgang mit Risikotechnologien treffen will. Hier soll die „Fachstelle Gentechnik und Umwelt“ helfen, eine Lücke zu füllen.

Gerade in der technischen Machbarkeit, die mit den neuen Gentechnik-Verfahren einhergeht, liegt die eigentliche Herausforderung für die Gesellschaft. Hier stehen wir erst am Anfang, nicht am Ende der Debatte. Um die Diskussion zu guten Ergebnissen zu führen, brauchen wir Ausgewogenheit und Sachlichkeit insbesondere in der Berichterstattung von Leitmedien wie der SZ. Testbiotech mahnt deswegen mehr journalistische Sorgfalt an. Obwohl der Bericht der SZ sich vor allem um Testbiotech dreht, hat die Redaktion es nicht für nötig befunden, uns um eine Stellungnahme anzufragen. In der Print-Ausgabe wird der Verein Testbiotech sogar als „Firma“ tituliert. Das sind Symptome eines großen Eifers, aber auch einer einseitigen Berichterstattung. Die Verfasserin des Beitrages, Frau Kathrin Zinkant, hatte bereits das Urteil des Europäischen Gerichtshofes, nach dem die neuen Gentechnikverfahren auch als Gentechnik zu regulieren sind, mit zum Teil sachfremden Argumenten und ungewöhnlich heftig kritisiert. Frau Zinkant erscheint voreingenommen.

Testbiotech arbeitet auf wissenschaftlicher Basis und legt Wert darauf, gleichzeitig unabhängig von den Interessen derer zu sein, die an der Gentechnik verdienen. Im Vordergrund unserer Arbeit steht die Perspektive des Umwelt- und Verbraucherschutzes. Diese Perspektive, die aus unseren Verlautbarungen klar erkennbar ist, rechtfertigt es aber nicht, uns als Lobby-Organisation oder Technik-Feinde zu bezeichnen. Wir lehnen die Gentechnologie als Instrument der Forschung keineswegs ab. Wir sehen aber bestimmte Anwendungen sehr kritisch, vor allem, wenn gleichzeitig die Risiken und mögliche negativen Auswirkungen nicht ausreichend untersucht werden.
In diesem Zusammenhang begrüßen wir die aktuelle Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, nach der auch die neuen Gentechnikverfahren als Gentechnik reguliert werden müssen. Es gibt keinen Grund für unsachliche Kritik an diesem Urteil. Dieses Urteil steht in Einklang mit mehreren Rechtsgutachten und entspricht schlichtweg dem Wortlaut der geltenden Gesetze. Zudem ist es auch in der Sache wissenschaftlich gut begründbar, warum die neue Gentechnik und ihre Produkte erst geprüft werden müssen, bevor sie möglicherweise in die Umwelt und in die Lebensmittelkette gelangen.

Kontakt: Christoph Then, Tel. 0151 54638040, info@testbiotech.de

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