Gentechnik und Artenschutz in Corona-Zeiten: Mehr Vorsorge!

Was bedeutet COVID-19 für den Einsatz der Gentechnik?

9. April 2020 / Jede Krise ist auch eine Chance, für die Zukunft zu lernen. Was bedeutet COVID-19 für die Debatte um den Einsatz der Gentechnik und den Schutz der biologischen Vielfalt?

Aktuell propagieren verschiedene Akteure die gentechnische Veränderung natürlicher Populationen, beispielsweise von Insekten, Bäumen, Nagetieren, Korallen und Mikroorganismen. Unter anderem sollen gentechnisch veränderte Insekten oder auch Mikroorganismen  zur Bekämpfung von Malaria freigesetzt werden. Andere Anwendungen betreffen die gentechnische Veränderung von Bienen und deren Darmbakterien. Dabei würde tief in die natürlichen Systeme eingegriffen, ohne die Folgen und Wechselwirkungen mit den Ökosystemen überblicken oder gar kontrollieren zu können.

Gerade die Verwendung von neuen Instrumenten der Gentechnik wie der Gen-Schere CRISPR/Cas könnte in naher Zukunft dazu führen, dass in rascher Folge viele verschiedene Organismen freigesetzt werden, die nie von der Evolution erprobt wurden. Dabei können schon kleine Veränderungen große Wirkung zeigen.

Schon letztes Jahr hat Testbiotech in einem Bericht für den Deutschen Naturschutzring (DNR) davor gewarnt, dass es durch die unkontrollierte und massenhafte Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen zu einer zunehmenden Destabilisierung der Ökosysteme kommen kann. Wird die Anwendung der Gentechnik nicht ausreichend reguliert, wird diese zu einer Gefahr für den Artenschutz.

Doch mit zunehmender Naturzerstörung steigt auch das Risiko von Krankheitsausbrüchen bis hin zu Pandemien: Ein Bericht des Weltbiodiversitätsrates IPBES hat erst kürzlich auf die Bedeutung des Schutzes der biologischen Vielfalt für die menschliche Gesundheit hingewiesen. Das wurde unter anderem vom Bundesministerium für Umwelt (BMU) aufgegriffen.

Vor diesem Hintergrund fordert Testbiotech eine strikte Regulierung der Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen, unabhängig davon, ob zusätzliche Gene eingefügt werden oder nicht. Freisetzungen von Gentechnik-Organismen, deren Ausbreitung nicht kontrolliert werden kann, sollten untersagt werden. Zudem müssen die Wechselwirkungen mit Mensch und Umwelt viel sorgfältiger geprüft werden als bisher.

Gentechnik und Artenschutz ist also auch in Zeiten der Corona-Krise ein aktuelles Thema: Die Krise verändert unsere Sicht auf die Dinge. Einerseits wird die Rolle der Gentechnik bei der Diagnose, der Entwicklung von Impfstoffen oder Therapien betont. Gleichzeitig demonstriert das Virus eindrucksvoll, wie schwer sich biologische Risiken einschätzen oder gar kontrollieren lassen. Gerade bei unkontrollierbaren Freisetzungen von Gentechnik-Organismen drohen neue biologische Risiken. Diese Risiken sollten denen einer Viruskrankheit nicht gleichgesetzt werden. Sie können aber erhebliche Folgen für die Umwelt und den Artenschutz haben und so letztlich auch für die menschliche Gesundheit. Hier muss in Zukunft das Vorsorgeprinzip noch weiter gestärkt werden.

Kontakt:
Christoph Then, Tel 0151 54638040, info@testbiotech.org

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