CRISPR-Tomaten produzieren Vitamin D

‚Vorteile‘ sind fraglich

18. Juni 2022 / Laut aktuellen Publikationen aus England und Südkorea ist es möglich, mit Hilfe von Neuer Gentechnik den Gehalt an Vitamin D in Tomaten zu erhöhen. Dazu wurden mit Hilfe der Genschere CRISPR/Cas genetische Anlagen ‚ausgeschaltet‘, die unter anderem für die Reaktion der Pflanzen auf Umweltstress wichtig sind. Die Tomaten reichern jetzt zwar Vitamin D3 an, sind infolgedessen aber möglicherweise auch anfälliger gegenüber Krankheiten und Schädlingsbefall.

Auch andere Stoffwechselwege können gestört oder Inhaltsstoffe ungewollt verändert sein. Um Risiken und mögliche Vorteile zu überprüfen, soll eine Variante der Tomaten jetzt in Freilandversuchen in England getestet werden, was von den EntwicklerInnen der Gentechnik-Früchte bereits als Erfolg gefeiert wird.

Ob die Gentechnik-Tomaten aber anstatt der erhofften Vorteile nicht vielmehr neue Probleme schaffen, ist völlig offen. Mögliche Umweltrisiken betreffen unter anderem die Empfindlichkeit gegenüber Stressfaktoren oder die Wechselwirkungen mit Bestäubern und Bodenorganismen. Offene Fragen bestehen zudem bezüglich der Lebensmittelsicherheit, die durch unbeabsichtigte Veränderungen der Inhaltsstoffe gefährdet werden kann. Schließlich muss geprüft werden, ob die erhofften Vorteile überhaupt realisierbar sind: je nach Tomatensorte und Umweltbedingungen kann die Konzentration an Vitamin D in den Früchten sehr unterschiedlich sein. Eine genaue Dosierung, wie z.B. durch Tabletten, scheint kaum möglich.

Fragen ergeben sich auch durch weitere ‚CRISPR-Tomaten‘, die in Japan entwickelt wurden und eine blutdrucksenkende Wirkung haben sollen. Auch wenn diese unterschiedlichen Gentechnik-Tomaten im Einzellfall jeweils als sicher angesehen würden, könnten die Auswirkungen infolge eines gleichzeitigen Verzehrs dieser CRISPR-Früchte nicht abgeschätzt werden.

Testbiotech fordert eine eingehende Prüfung der Risiken, die mit der Einführung dieser und ähnlicher Produkte einhergehen können, wobei auch mögliche Wechselwirkungen berücksichtigt werden müssen. Neben Tomaten werden mit Hilfe der Neuen Gentechnik u.a. auch Pilze, Salat, Kartoffeln, Leindotter, Soja, Weizen, Reis und Mais intensiv bearbeitet. Die Industrie fordert, dass die meisten dieser Pflanzen ohne eingehende Risikoprüfung und Kennzeichnung auf den Markt kommen sollen. Dagegen warnt Testbiotech, dass durch unkontrollierte Freisetzungen die Ökosysteme destabilisiert, das Artensterben beschleunigt und die Gesundheit der VerbraucherInnen gefährdet werden können.

Kontakt:
Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040

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