Gentechnik, Patente und die Tierversuchsindustrie

Neuer Bericht von Testbiotech zu gentechnisch veränderten Tieren

12. August 2016 / Seit Jahren zeigen die offiziellen Zahlen einen Trend zu immer mehr Versuchen mit gentechnisch veränderten Tieren. Die Zahl der gentechnisch veränderten Tiere, die pro Jahr in Experimenten eingesetzt werden, lag 2013 in Deutschland schon bei fast einer Million. Seit 2004 haben sich die Zahlen fast verdreifacht.

Die gentechnische Veränderung von Säugetieren ist ethisch nicht neutral, sondern führt in jedem Fall zu Leiden und Schmerzen. Für die Erzeugung einzelner Säugetiere müssen hohe Tierverluste in Kauf genommen werden. Viele Tiere werden aufgrund von Gen-Defekten nicht lebend geboren oder müssen getötet werden, weil sie krank oder nicht wie erwartet gentechnisch verändert sind. Und auch die „erfolgreich“ veränderten Tiere leiden oft lebenslang an ihren gewollten oder ungewollten Gen-Defekten.

Neue Gentechnikverfahren unter Verwendung von Nukleasen (DNA-Scheren) sollen einen gezielteren Einbau von Genen oder die Veränderung des Erbguts in den Zellen erlauben. Allerdings sind diese Verfahren längst nicht frei von Nebenwirkungen und in vielen Fällen nicht so präzise wie oft behauptet.

Diese neuen Gentechnikverfahren sind ein wesentlicher Grund dafür, dass die Tierversuchszahlen weiter steigen und das nicht „nur“ bei Mäusen und Ratten. Verschiedene Firmen bieten an, Versuchstiere wie Mäuse und Ratten je nach Bestellung an jeder beliebigen Stelle im Erbgut mit synthetischer DNA zu manipulieren und diese Tiere innerhalb weniger Monate zu liefern.

Ein unmittelbarer medizinischer bzw. therapeutischer Nutzen ist mit vielen dieser Tierversuchen nicht verbunden. Im Gegenteil: in vielen Fällen scheinen kommerzielle Interessen deutlich gegenüber den medizinischen Notwendigkeiten zu überwiegen. Die Auswüchse der Entwicklung zeigt sich insbesondere in Patentanträgen. Patentanträge auf gentechnisch veränderte Tiere sind ein deutliches Zeichen dafür, dass Konzerne und Investoren bereit sind, aus Tierleid auch ein Geschäft zu machen. Trotz aller ethischen Vorbehalte und einschlägiger Verbote in den Patentgesetzen erteilte das Europäische Patentamt bereits eine große Anzahl von Patenten auf Gentechnik-Tiere und deren Verwendung. Die Zahl der erteilten Patente liegt bei über 1500, die Zahl der registrierten Anmeldungen bei 5000. Zuletzt hatte das Europäische Patentamt sogar Einsprüche gegen die Patentierung gentechnisch veränderter Schimpansen zurückgewiesen.

Sorge bereitet auch, dass in jüngster Zeit wieder vermehrt Patente auf gentechnisch veränderte Nutztiere angemeldet wurden, die beispielsweise mehr Milch geben oder schneller wachsen und an die wirtschaftlichen Interessen der industriellen Massentierhaltung angepasst werden sollen. Im Bericht von Testbiotech werden die Patentanträge der US Firma Recombinetics analysiert, in denen Anwendung der neuen Gentechnik-Verfahren an einer Vielzahl von Tierarten beansprucht werden. Die betroffenen Tierarten sind u.a. Primaten, Schweine, Pferde, Schafe, Ziegen, Hühner, Kaninchen, Fische, Hunde, Mäuse, Katzen und Ratten.

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