Ein Mammutprojekt

Gentechnisch veränderte Elefanten

„Der alte Freund und neue Held der Erde – das Mammut. Möge die Urgeschichte vorwärts donnern. Wir haben die DNA, die Technologie und die führenden Experten auf diesem Gebiet. Demnächst werden wir das Wollmammut präsentieren. Wieder zum Leben erweckt.“ So preist das US-Startup Colossal Biosciences das Projekt zur angeblichen Wiederauferstehung des Mammuts auf seiner Website an.

Laut Colossal dienen ihre Projekte dazu, Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren und sogar ausgestorbene Arten wieder ‚zum Leben zu erwecken. Auf diese Weise solle auch der Klimawandel bekämpft werden: Große Mammut-Herden könnten demnach in der Arktis den Permafrostboden verdichten, indem sie darauf herumtrampeln, und somit zu dessen Erhalt beitragen. Zudem sollen sie die sibirische Tundra wieder in eine steppenartige Graslandschaft verwandeln.

Ausgangspunkt für diese ‚Mammutaufgabe‘ ist die gentechnische Veränderung asiatischer Elefanten. Der Plan ist, mit Neuer Gentechnik Teile des Erbguts von über 60 „Kaltwetter-Genen“, die bspw. für den zotteligen Haarwuchs verantwortlich sind, durch kurze DNA-Sequenzen des Mammuts zu ersetzen.

Ob die Gentechnik-Tiere jedoch die Eigenschaften und das Verhalten von früheren Mammuts aufweisen würden, ist äußerst zweifelhaft. Und selbst dann wäre zu bedenken, dass die Umweltbedingungen heute ganz andere sind als zu Lebzeiten der ursprünglichen Mammuts. Aber auch auf der technischen Ebene gibt es Hindernisse: Im Elefantengenom finden sich z.B. besonders viele ‚Wächtergene‘. Diese sorgen für eine korrekte Reparatur von Gendefekten. Das ist ein Grund dafür, dass Elefanten sehr alt werden und dennoch selten an Krebs erkranken. Diese Wächtergene (p53) erscheinen bei der Reprogrammierung von Zellen und der gentechnischen Veränderung des Genoms von Elefanten jedoch hinderlich und werden deswegen unterdrückt (Appleton et al., 2024). Das Ergebnis des Projekts von Colossal wären dann eher krankgemachte, gentechnisch veränderte Elefanten als ein wiederbelebtes Mammut.

Die ‚Erfolge‘ von Colossal sind bislang jedenfalls überschaubar: Es gelang, bei Mäusen längere Haar wachsen zu lassen (Chen et al., 2025) und die Firma hat einen gentechnisch veränderten Grauwolf als ausgestorbenen ‚Schattenwolf‘ präsentiert – und sich damit weltweit Kritik eingehandelt.

Veröffentlichungsjahr: 

2025

Weitere Informationen:

MDR Wissen-Beitrag: DNA-Analyse „Schattenwölfe“: Genetisch nur entfernt mit Grauwölfen verwandt

Wissenschaftliche Publikation: Appleton E., et al. (2024) Derivation of elephant induced pluripotent stem cells.

Wissenschaftliche Publikation: Chen, R., et al. (2025) Multiplex-edited mice recapitulate woolly mammoth hair phenotypes.