Hornlose Rinder

Gefährdung des Genpools der Züchter

Im Jahr 2016 wurde das Erbgut von Rindern mithilfe von Gen-Scheren verändert, um diese hornlos zu machen. Zu diesem Zweck wurde ein Gen einer hornlosen Rinderrasse als Vorlage verwendet. Daraus könnte gefolgert werden, dass diese Tiere nicht ‚neu für die Umwelt‘ sind. Im Jahr 2019 stellten WissenschaftlerInnen jedoch fest, dass genetisches Material von Bakterien, das für die Übertragung der neuen Gene genutzt wurde, in das Erbgut der NGT-Rinder gelangt war. Unter anderem wurden kurz vor der geplanten Markteinführung im Genom der NGT-Rinder vollständige DNA-Fragmente gefunden, die eine Antibiotikaresistenz verleihen können (Norris et al., 2020). Daraufhin mussten die Tiere getötet werden.

Der Einsatz von Gen-Scheren ist nicht so einfach, wie dies häufig suggeriert wird. In einem ersten Schritt wird die DNA der Gen-Schere meist mit Hilfe von Werkzeugen in die Zellen eingeführt,
die oft auch Gene aus Bakterien nutzen. In vielen Fällen führen diese Verfahren dazu, dass unbeabsichtigt zusätzliche Gene in das Genom der Pflanzen und Tiere eingebracht werden. Werden diese unerwünschten genetischen Veränderungen übersehen, können sie sich schnell ausbreiten und sich auch in den Zuchtpopulationen anreichern – mit schwerwiegenden Folgen für die weitere Züchtung und die Ernährungssicherheit.

Ähnliche Probleme mit unbeabsichtigten Insertionen und ungewollten genetischen Veränderungen sind auch bei NGT-Pflanzen bekannt (Braatz et al., 2017). Es gibt weitere Berührungspunkte zur geplanten Deregulierung von NGT-Pflanzen: Art und Anzahl der genetischen Veränderungen, die zur Erzeugung von hornlosen Rindern erforderlich sind, liegen innerhalb des vorgeschlagenen EU-Grenzwerts für die beschleunigte Marktzulassung von NGT-Pflanzen. Außerdem ist bei der geplanten Deregulierung von NGT-Pflanzen keine umfassende Prüfung unbeabsichtigter genetischer Veränderungen vorgeschrieben. Nur wenn bereits vorab bekannt ist, dass die Pflanzen transgene Elemente (also Gene anderer Arten) in ihrem Erbgut haben, müssen sie eine Risikoprüfung durchlaufen. Doch diese Transgene können auch übersehen werden, wie das Beispiel der hornlosen Rinder zeigt. Zudem gibt es auch ungewollte genetische Veränderungen, die nicht transgen sind und trotzdem mit Risiken für Züchtung und Umwelt einhergehen (Koller & Cieslak, 2023).

Noch gibt es keinen Vorschlag für eine Deregulierung von NGT-Tieren in der EU, weshalb unklar ist, ob diese NGT-Rinder in Zukunft eine verpflichtende Risikoprüfung durchlaufen müssten.

Veröffentlichung / Letztes Update

Februar 2026

Weitere Informationen:

Braatz et al. (2017) CRISPR-Cas9 Targeted Mutagenesis Leads to Simultaneous
Modification of Different Homoeologous Gene Copies in Polyploid Oilseed Rape
(Brassica napus). Plant Physiol, 174(2): 935-942.

Koller & Cieslak (2023) A perspective from the EU: unintended genetic changes in plants
caused by NGT—their relevance for a comprehensive molecular characterisation and
risk assessment. Front Bioengin Biotechnol, 11: 1276226.

Norris et al. (2020) Template plasmid integration in germline genome-edited cattle.
Nat Biotechnol, 38(2): 163-164.