Das Märchen vom Schattenwolf

Wiederauferstehung oder Mogelpackung?

Ausgestorbene Wirbeltiere wie Wollmammuts, Schattenwölfe, Dodos und Tasmanische Tiger ‚wieder zum Leben zu erwecken’: das ist die Absicht des US-Unternehmens Colossal Bioscienes. Was die Firma aber tatsächlich mithilfe von Neuer Gentechnik und künstlicher Intelligenz kreiert, sind gentechnisch veränderte Tiere wie Asiatische Elefanten mit Mammuteigenschaften, Grauwölfe mit Eigenschaften des ‚Schattenwolfes‘, südamerikanische Vögel, die dem Moa teilweise ähnlich sind und Mäuse mit ‚Wollmammutfell‘.

Welche Zwecke diese Experimente (abgesehen von einem Medienhype) wirklich verfolgen, ist unklar. In keinem Fall werden sie zur Wiederbelebung ausgestorbener Arten führen. Stattdessen handelt es sich um tiefe Eingriffe in das Genom heute existierender Arten. Oft wird dabei vor allem die Aktivität arteigener Gene verändert, um beispielsweise Mäuse mit extrem langem Fell zu schaffen, das dem von Wollmammuts ähneln soll (Chen et al., 2025). Es werden also nicht ausgestorbene Tierarten ‚wieder zum Leben erweckt‘, sondern Gentechnik-Tiere kreiert, die noch nie auf diesem Planeten existiert haben.

Risiken für die Artenvielfalt

Entkämen gentechnisch veränderte Wildtiere wie der ‚Schattenwolf’ in die natürlichen Populationen könnten sie sich dort auch fortpflanzen. Da sie im Falle des ‚Schattenwolfs‘ größer und stärker sind als ihre natürlichen Artgenossen, hätten diese gentechnisch veränderten Grauwölfe und ihre Nachkommen einen Fitnessvorteil und könnten ihre natürlichen Rivalen verdrängen. Dies hätte erhebliche Folgen – nicht nur für die geschützte Wolfsart der Grauwölfe, sondern auch für die Ökosysteme und möglicherweise sogar für den Menschen, wenn genetischen Veränderungen bspw. auch zu einem veränderten Jagdverhalten führen.

Weitere Informationen:

Chen R., Srirattana K., Coquelin M.L., Vilar Sampaio R., Wilson R., Ganji R., Weston J., Ledesma A., Beebe J.,Sullivan J., Qin Y., Chao C., Papizan J., Mastracci A., Bhide K., Mathews J., Oglesby R., Menon, M., van der Valk T., Bow A., Cantarel B.L. James M., Kehler J., Dalén L., Lamm B., Church G.M., Shapiro B., Abrams M.E. (2025) Multiplex-edited mice recapitulate woolly mammoth hair phenotypes, bioRxiv.