Kranke CRISPR-Kugelfische

Fische mit Gendefekt in Japan zum Verzehr freigegeben

In Japan marschiert der ‚Fortschritt‘ in eine falsche Richtung: Kugelfische, die mit der Gen-Schere CRISPR/Cas krank gemacht wurden, wurden zum Verzehr freigegeben. Bei den Fischen wurden Gene, die unter anderem für die Regulierung des Appetits verantwortlich sind, per Gen-Schere CRISPR/Cas in ihrer Funktion blockiert. In der Folge leiden die Tiere an einer Stoffwechselstörung, sie fressen mehr und werden schwerer als ihre Artgenossen.

Die gentechnische Veränderung betrifft das Gen des Leptin-Rezeptors. Störungen dieses Gens, beziehungsweise ein Mangel am Botenstoff Leptin, werden bei Säugetieren u.a. mit Fettleibigkeit und Diabetes in Verbindung gebracht. Auch bei verschiedenen Fischarten sind gesundheitliche Störungen bekannt, die unter anderem die embryonale Entwicklung, die Nieren, den Blutzuckerspiegel und das Verhalten der Tiere betreffen. Fische mit diesem künstlichen Gendefekt wurden bisher als Krankheitsmodelle eingesetzt, um diese komplexen Stoffwechselstörungen zu untersuchen.

Jetzt aber sollen Fische mit genetischen Defekten des Leptin-Rezeptors in Aquakulturen gemästet und als Lebensmittel verkauft werden. Auch Patente auf die Tiere wurden bereits angemeldet. Verschiedene Akteure erhoffen sich durch die schwereren Fische auch höhere Gewinne. Die japanischen Behörden gaben bereits grünes Licht für die Vermarktung.

Die Behörden in Japan gehen davon aus, dass keine Risiken für Mensch und Umwelt vorhanden sind, solange in das Erbgut von Tieren oder Pflanzen keine zusätzlichen Gene eingefügt werden. Doch das ist wissenschaftlich falsch, wie das Beispiel der Gentechnik-Kugelfische zeigt: Da das blockierte Gen an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt ist und der Prozess der gentechnischen Veränderung komplex ist, kann es viele unbeabsichtigte Nebenwirkungen geben. Unter anderem können die Zusammensetzung des Fischgewebes verändert und die Anfälligkeit der Tiere gegenüber Krankheiten und Infektionen erhöht sein. In der Folge kann auch der Arzneimitteleinsatz in den Aquakulturen weiter steigen. Zu den Fragen der Risiken kommen ethische Fragen, die das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere betreffen.

Dieses Beispiel zeigt, dass eine unzureichende Regulierung der Neuen Gentechnik zu einer drastischen Fehlentwicklung führen kann. Im Ergebnis könnten zunehmend Produkte von gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren auf den Markt kommen, die nicht eingehend auf ihre Risiken untersucht wurden und ethisch äußerst zweifelhaft sind. So würde einem ‚falschen Fortschritt‘ der Weg bereitet – mit erheblichen Folgen für Mensch, Tier und die Umwelt.

 

Publication year: 
2021