Zweifelhafte Umstände bei Veröffentlichung der Stellungnahme der Leopoldina zur ‚Neuen Gentechnik‘

Kritik auch an Auswahl der beteiligten WissenschaftlerInnen

5. Dezember 2019 / Die Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften, hat am 4. Dezember eine Stellungnahme veröffentlicht, die sich für eine weitgehende Deregulierung gentechnisch veränderter Organismen ausspricht. Würde die EU diesen Empfehlungen folgen, könnte das europäische Gentechnikrecht weitgehend dem US-System angeglichen werden, das keine verpflichtende Risikoprüfung, keine Rückverfolgbarkeit und keine Wahlfreiheit vorsieht. Wie die Situation in den USA zeigt, könnten sich dann u.a. gentechnisch veränderte Organismen unbemerkt in der Umwelt ausbreiten. Risiken für Umwelt und VerbraucherInnen würden nicht systematisch untersucht, das Vorsorgeprinzip würde unterlaufen. Der ökologische Landbau würde in vielen Regionen erheblich erschwert oder unmöglich gemacht.

Testbiotech übt in diesem Zusammenhang Kritik an der Zusammensetzung der ExpertInnengruppe, die den Bericht verfasst hat: Ihr gehören mehrere EntwicklerInnen gentechnisch veränderter Organismen an, die Patente auf entsprechende Verfahren und Pflanzen angemeldet haben. Einige von ihnen kooperieren auch mit Unternehmen wie Bayer. Sie haben damit auch ein offensichtliches Interesse an der Anwendung der Gentechnik und ihrer kommerziellen Verwertung. Einige der ExpertInnen hatten sich in jüngster Vergangenheit bereits sehr einseitig und mit teilweise äußerst populistischen Äußerungen in der Presse und den sozialen Medien zu Wort gemeldet.

Kritik übt Testbiotech auch an der Art und Weise der Veröffentlichung: Zumindest Auszüge der Stellungnahme waren bereits im Vorfeld einem ausgewählten Publikum vorgestellt worden. Schauplatz war eine Konferenz von WissenschaftsjournalistInnen in Bremen, die unter anderem von der Leopoldina, aber auch von Bayer und BASF gesponsert wurde. Auf direkte Nachfrage bei der Leopoldina erhielt Testbiotech keinen Zugang zu den dort vorgestellten Inhalten. Zudem weigern sich die OrganisatorInnen der Konferenz laut Twitter, Angaben über die Höhe des Sponsorings zu machen.

Die Medienstrategie der Leopoldina scheint ihren Zweck erfüllt zu haben: Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung und auch danach berichtete die Süddeutsche Zeitung sehr wohlwollend über den Bericht und dessen Appell an eine Deregulierung der neuen Gentechnik.

Testbiotech wird den Bericht der Leopoldina analysieren und sich dann auch im Detail zu den Inhalten äußern.

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