Zum ersten Mal menschliche Embryonen gentechnisch verändert

Ethisch bedenkliches Experiment zeigt Risiken neuer gentechnischer Verfahren

23. April 2015 / Nach einer neuen wissenschaftlichen Publikation haben Wissenschaftler aus China zum ersten Mal versuchsweise menschliche Embryos mit neuen gentechnischen Verfahren, sogenannten DNA-Scheren (CRISPR/Cas) behandelt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Es zeigten sich sich zahlreiche ungewollte Veränderungen im Genom. Die Wissenschaftler warnen vor einem übereilten Einsatz der Technologie und fordern eine ethische Debatte.

Die Ergebnisse der Studie stehen im Gegensatz zu einer aktuellen Kampagne von Industrie und Wissenschaftsorganisationen in Europa, die neue gentechnische Verfahren wie die DNA-Scheren für unbedenklich erklären wollen, wenn sie an Pflanzen und Tieren eingesetzt werden. Die neuen Verfahren sollen nicht einmal mehr im Rahmen der Gentechnikgesetzes geprüft und gekennzeichnet werden.

Die neuen Verfahren der Synthetischen Gentechnik (oder Genome Editing) sollen es ermöglichen, schneller und zielgerichteter als bisher ins Erbgut einzugreifen. Die Methoden erlauben auch radikale Veränderungen im Erbgut von Mensch, Tier und Pflanzen. Testbiotech ist der Ansicht, dass die mit den neuen Verfahren genetisch veränderten Pflanzen und Tiere ausführlich auf Risiken geprüft werden müssen. Dies ist auch nach dem Wortlaut der EU-Gentechnikgesetze vorgeschrieben. Zudem muss nicht nur im Hinblick auf den Menschen, sondern auch in Bezug auf Tiere und Pflanzen eine intensive Diskussion über die ethischen Grenzen und über Maßnahmen zum Schutz der genetischen Integrität geführt werden. Zu diesem Thema wird Testbiotech am 17. Juni in Berlin in den Räumen der Heinrich-Böll-Stiftung eine öffentliche Tagung durchführen. Das Programm wird demnächst online gestellt.

Kontakt: Christoph Then, Tel 0049 151 54638040, info@testbiotech.org

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