Zehn Importzulassungen für gentechnisch veränderte Pflanzen auf einmal

In der Sommerpause trifft die EU-Kommission umstrittene Entscheidungen

23. August 2021 / Die EU-Kommission hat zehn weitere Anträge auf Importzulassungen von Gentechnik-Pflanzen genehmigt. Es handelt sich um Mais und Soja sowie Raps und Baumwolle, die Insektengifte produzieren und/oder gegen Pflanzengifte wie Glyphosat resistent sind. Die Antragsteller für die aktuellen Zulassungen sind Monsanto (Bayer), Dow AgroSciences (Corteva) und Syngenta (ChemChina). Sieben davon sind Neuzulassungen, bei drei Anträgen handelt es sich um Wiederzulassungen.

Die Ernte dieser Pflanzen darf in die EU importiert und als Lebens- und Futtermittel verwendet werden. In den letzten Jahren hatte sich das EU-Parlament in Dutzenden von Resolutionen immer wieder gegen Zulassungen von gentechnisch veränderten Pflanzen ausgesprochen.

Die große Mehrheit der für die EU zugelassenen Gentechnik-Pflanzen ist mehrfach gentechnisch verändert, produziert Insektengifte und ist gleichzeitig resistent gegen Pflanzengifte wie Glyphosat. Die EU hat es bisher systematisch vermieden, die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Giften und anderen Stoffen, die in der Ernte dieser Pflanzen enthalten sind, untersuchen zu lassen. Unter anderem besteht der Verdacht, dass der Verzehr von Produkten aus diesen Pflanzen zu chronischen Entzündungen beitragen kann.

Die wichtigsten Exportländer für diese Pflanzen sind die USA, Brasilien und Argentinien. Weitere Exportländer sind Kanada und Paraguay. Die EU verlangt aber in der Regel keine Daten von Gentechnik-Pflanzen, die unter den Bedingungen in Südamerika getestet wurden. In fast allen Fällen werden die Freisetzungsversuche nur in den USA durchgeführt. Die bioklimatischen Gegebenheiten und die landwirtschaftlichen Praktiken zwischen diesen Regionen unterscheiden sich jedoch erheblich und können auch die Sicherheit der Ernte beeinträchtigen.

Testbiotech hat Anfang des Jahres eine umfangreiche Dokumentation über die Mängel der Risikoprüfung veröffentlicht. Testbiotech kommt zu der Einschätzung, dass die Nahrungsmittelproduktion in der EU durch die Lücken in der Zulassungsprüfung erheblich mit ungeklärten Risiken belastet wird. Demnach hat die Sicherheit der Lebens- und Futtermittel seit dem Einzug der Gentechnik insgesamt abgenommen, ohne dass dieses Problem offiziell angesprochen wird. Dazu kommen Umweltschäden in verschiedenen Anbauländern, die meist in Abrede gestellt werden.

Diese Probleme dürften in den nächsten Jahren weiter zunehmen, da die EU-Kommission deutliche Zeichen aussendet, dass die Prüfstandards für Gentechnik-Pflanzen weiter abgesenkt und denen der USA und Kanada angeglichen werden sollen. Im Vordergrund stehen dabei Pflanzen, die mit Neuer Gentechnik in ihren Erbanlagen verändert werden, wobei Werkzeuge wie die Gen-Schere CRISPR/Cas zum Einsatz kommen. In Widerspruch zu den Fakten behauptet die EU-Kommission, dass mit der Neuen Gentechnik keine neuartigen Risiken einhergehen würden.

Testbiotech führt seit rund 10 Jahren eine Datenbank der EU-Zulassungen, in denen auch detaillierte Stellungnahmen zu den neu zugelassenen Gentechnik-Pflanzen zu finden sind. Zudem wird dort auch ein Überblick über Anzahl und Kategorien der EU-Zulassungen gegeben. Die jetzt neu zugelassenen Typen von Gentechnikpflanzen sind:

drei Mais-Events:
MON 87427 x MON 87460 x MON 89304 x 1507 x MON 87411 x 59122,
1507 x MON 810 x MIR162 x NK603,
MZIR098;

zwei Sojabohnen-Events:
DAS-81419-2,
DAS–81419–2 x DAS–44406–6;

sowie Raps (Ms8xRf3xGT73) und Baumwolle (GHB119 x GHB614 x T304-40).

Kontakt:
Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040

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