Wird „fette Gerste“ die erste NGT-Pflanze in Europa?

Kommerzieller Anbau in England beantragt

14. April 2026

Zum ersten Mal wurde in Europa eine Notifizierung für den kommerziellen Anbau von Pflanzen aus Neuer Gentechnik (NGT) eingereicht. Das Forschungsinstitut Rothamsted will seine „fette Gerste“ in England anbauen. Das Genom der Pflanzen wurde verändert, um den Ölgehalt im Pflanzengewebe zu erhöhen. Die NGT-Pflanzen sollen in Futtermitteln für Nutztiere wie Rinder und Schafe eingesetzt werden, um die Tierproduktion zu steigern. Publikationen zu ähnlichen Experimenten an anderen Pflanzenarten zeigen, dass eine Prüfung der Umweltrisiken notwendig ist.

Mithilfe der Gen-Schere CRISPR/Cas wurde die Funktion von Genen blockiert, die am Fettstoffwechsel der Pflanzen beteiligt sind. Diese Genfunktionen sind für die Energieversorgung während der Keimung und des frühen Wachstums der Keimlinge besonders wichtig. Zwar ist die Züchtung von Gerste mit höherem Ölgehalt seit mehreren Jahren ein Züchtungsziel, doch der jetzt entstandene spezifische Genotyp war bisher unbekannt. Die Pflanzen sind deshalb neu für die Umwelt.

Es gibt keine wissenschaftlichen Publikationen zu den Eigenschaften der speziellen Gerste, jedoch zeigen Experimente an anderen Pflanzenarten erhebliche Nebenwirkungen des gentechnischen Eingriffs. Beabsichtigt ist eine starke Anreicherung von Öl in den Körnern und anderen Pflanzengeweben wie Stängeln, Wurzeln und Blättern. Zudem ist die Zusammensetzung des Öls verändert. Es zeigten sich Nebenwirkungen wie gestörte Keimung, vermindertes Pflanzenwachstum und verzögerte Samenreife.

Weitere Folgen könnten eine höhere Anfälligkeit gegenüber Stressfaktoren und ein verstärkter Befall durch Schädlinge sein. Beispielsweise könnten Insekten, die an den Pflanzen fressen, eine höhere Fitness und größere Populationen entwickeln, da die Pflanzen eine energiereichere Nahrungsquelle darstellen.

Nach Medienberichten ist geplant, auch „fettes Weidelgras“ mit NGTs zu produzieren. Diese Pflanzenart ist dafür bekannt, sich schnell und weiträumig auszubreiten, wirksame Kontrollen wären dann kaum möglich.

Gemäß einer geplanten neuen EU-Gesetzgebung könnte sowohl NGT-Gerste als auch NGT-Weidelgras künftig ohne Prüfung der Umweltrisiken freigesetzt werden. Testbiotech fordert deswegen das EU-Parlament auf, diese geplante Deregulierung für NGT-Pflanzen abzulehnen.

Darüber hinaus ist Testbiotech der Ansicht, dass auch die britischen Behörden vor einer endgültigen Entscheidung über die Vermarktung der NGT-Pflanzen eine umfassende Risikobewertung durchführen müssten. Vor der tatsächlichen Freigabe muss eine Behörde noch eine Stellungnahme abgeben.

Kontakt:

Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040

Weitere Informationen:

Die Notifizierung

Testbiotech-Steckbrief zur Gerste