Umwelteffekte von NGT-Pflanzen laut neuer Studie nicht vorhersehbar

ExpertInnen von Behörden fordern Konsequenzen für Regulierung

21. April 2026

In einer aktuellen Publikation warnen europäische ExpertInnen vor den Folgen der unkontrollierten Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen. Sie fordern, dass vor dem Hintergrund der bisherigen Erfahrungen auch Konsequenzen für den Umgang mit Pflanzen aus Neuer Gentechnik (NGT) gezogen werden. Angesichts der Unvorhersehbarkeit, die mit veränderten Eigenschaften oder erhöhter Fitness speziell bei Pflanzenarten wie Raps einhergehen, empfehlen die ExpertInnen eine verpflichtende, gründliche Umweltrisikoprüfung. Grundsätzlich sei eine kontinuierliche Erforschung der Interaktionen zwischen gentechnisch veränderten Pflanzen und ihren wilden Verwandten für eine wissenschaftliche Bewertung der Umweltrisiken unverzichtbar.

Eine der beiden StudienautorInnen arbeitet bei der für Gentechnik zuständigen Behörde in Litauen. Der zweite Experte war Mitglied im Gentechnik-Panel der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, die sich bisher nicht für eine strikte Risikoprüfung von NGT-Pflanzen ausgesprochen hat. Dagegen hatten andere WissenschaftlerInnen und Behörden in Deutschland, Frankreich und Österreich bereits mehrfach auf die ökologischen Risiken hingewiesen.

Dem aktuellen EU-Gesetzesvorschlag zufolge, über den in den nächsten Wochen abgestimmt wird, soll nicht nur NGT-Raps, sondern auch Wildpflanzen die mit Neuer Gentechnik verändert wurden, ohne Risikoprüfung in die Umwelt entlassen werden können. Da keine Nachweisverfahren verlangt würden, könnten sie sich auch unbemerkt ausbreiten. Vor diesem Hintergrund fordert Testbiotech, die geplante weitreichende Deregulierung von NGT-Pflanzen zu stoppen.

Darüber hinaus fordert Testbiotech, dass NGT-Pflanzen mit Genotypen, die als ,neu für die Umwelt’ zu betrachten sind, grundsätzlich einer Risikobewertung unterzogen werden müssen, bevor sie in die Umwelt entlassen werden. Die Risiken betreffen u.a. die natürlichen Pflanzenpopulationen, Interaktionen mit Bestäubern, Bodenorganismen und den Nahrungsnetzen. Zudem könnten durch Kreuzungen neue, völlig unvorhergesehene Eigenschaften entstehen. Dadurch könnten auch die Ernten gefährdet werden.

Auch mehrere EU-Staaten kritisieren die geplanten Regeln für NGT-Pflanzen. Sie führten in einem heute stattfindenden Ratstreffen auch Bedenken bezüglich der Umweltrisiken an. Leider folgte die Mehrheit der EU-Staaten nicht dieser Linie und stimmte der geplanten Deregulierung zu. Die letzte Entscheidung liegt jetzt beim Parlament.

Kontakt:

Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040

Weitere Informationen:

Die Studie

Testbiotech-Hintergrund zu ökologischen Risiken von NGT-Pflanzen

Die Stellungnahmen der EU-Mitgliedsstaaten