Neue Studien zu Umweltrisiken von Gentechnik-Pflanzen

Kreuzungen mit Wildarten führen zu höherem Ausbreitungspotenzial

8. Mai 2026

Aktuelle wissenschaftliche Publikationen beschäftigen sich mit unterschiedlichen Fällen einer möglichen Ausbreitung von transgenen Pflanzen in der Umwelt. So konnten chinesische WissenschaftlerInnen in einer aktuellen Publikation erstmals zeigen, dass die Auskreuzung von glyphosat-tolerantem Gentechnik-Reis in Wildreis über lange Zeiträume hinweg zu ausgeprägten Fitnessvorteilen der Hybriden führt. Auch weitere Studien zu Soja und Raps bzw. Rübsen liefern neue Hinweise auf Umweltrisiken.

Gentechnisch veränderte Pflanzen mit Glyphosattoleranz dominieren nach wie vor den Weltmarkt. Gentechnik-Raps, -Soja, -Mais und -Baumwolle mit Toleranz gegenüber dem Totalherbizid wachsen weltweit auf weit über 150 Millionen Hektar.

Chinesische WissenschaftlerInnen veröffentlichten jüngst eine Studie, in der Hybride aus glyphosat-tolerantem Gentechnik-Reis mit Wildreis nach mehreren Generationen untersucht werden. Hybride Nachkommen der dritten bis fünften Generation wiesen demzufolge in der Summe beträchtliche Fitnessvorteile auf, unter anderem bei Pflanzenhöhe, Anzahl der Rispen und Körnern pro Pflanze. Das Transgen, das die Resistenz gegen Glyphosat verleiht, wurde stabil vererbt und führte demnach zu Veränderungen im Stoffwechsel der Pflanzen, die sich wiederum positiv auf die genannten Fitnesseigenschaften auswirkten. Zurückzuführen könnte das z.B. darauf sein, dass das zusätzliche Enzym (EPSPS) die Biosysnthesewege für bestimmte Aminosäuren verbessert. Dagegen spielt hier die Anwendung von Glyphosat keine Rolle.

Auch ein ähnliches aktuelles Experiment zeigt, dass Auskreuzungen von Gentechnik-Pflanzen in Wildarten Umweltrisiken bergen. Hier gingen WissenschaftlerInnen der Frage nach, welche Effekte in Folgegenerationen von Hybriden aus glyphosat-toleranter Gentechnik-Soja und Wild-Soja auftreten, auch wenn kein Glyphosat eingesetzt wird. Dabei stellten sie zunächst fest, dass die Resistenz gegen Glyphosat stabil über vier Generationen vorhanden war. Zusätzlich traten Hybride mit ausgeprägten Fitnessvorteilen auf. Es zeigt sich, dass die Ausbreitung der Transgene dabei zusätzlich von biologischen Eigenschaften der wilden Soja profitieren kann, die einen rankenartigen Wuchs aufweisen. Tatsächlich zeigten einige der untersuchten Linien nach mehreren Generationen Wuchsformen, die der wilden Soja ähneln. Den AutorInnen zufolge stellen solche Pflanzen ein erhebliches ökologisches Risiko dar, da sie in die Umwelt entkommen und die Transgene dort in den Wildpopulationen fortbestehen und diese möglicherweise sogar verdrängen könnten.

In einer dritten aktuellen Publikation wird die unkontrollierte Ausbreitung von transgenem, herbizidtolerantem Rübsen in Argentinien untersucht. Der Rübsen (Brassica rapa), der sowohl als Kulturpflanze als auch als Unkraut auftreten kann, ist mit Raps verwandt und kann sich mit diesem kreuzen. Obwohl es weltweit keine Zulassung für gentechnisch veränderten Rübsen gibt, breiten sich solche Pflanzen allerdings in Argentinien aus und sind laut Studie mittlerweile auf einer Fläche von einer Million Hektar zu finden. Bereits im Jahr 2012 wurden transgene, glyphosat-tolerante Rapspflanzen erstmals in Argentinien entdeckt. Dies war überraschend, da der Anbau von Gentechnik-Raps dort seit 1997 verboten ist. Offenbar kommt es jedoch nach wie vor vielfach zu illegalem Anbau, der zur Ausbreitung der transgenen Eigenschaft in der verwandten Pflanzenart (Rübsen) geführt hat. Da die Pflanzen resistent gegen Glyphosat sind, könnte die in Argentinien häufige Anwendung des Herbizids dazu beigetragen haben, dass die Ausbreitung in diesem Umfang zugenommen hat. Auch in Kanada wurden bereits Auskreuzungen von gentechnisch verändertem Raps in Rübsen festgestellt.

Alle drei Studien zeigen erneut, dass ökologische und genetische Zusammenhänge äußerst komplex und unvorhersehbar sind und negative Folgen eines Anbaus von Gentechnik-Pflanzen teils erst nach vielen Jahren auftreten können.

Kontakt:

Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040

Weitere Informationen:

Studie Reis

Studie Soja

Studie Rübsen

Meldung zu Raps und Rübsen in Kanada