Einsatz von Neuer Gentechnik in der Landwirtschaft erfordert Folgenabschätzung

Kritik an einseitiger Position der EU-Kommission

19. Juli 2022 / Testbiotech fordert eine umfassende Technikfolgenabschätzung des Einsatzes der Neuen Gentechnik (NGT) in der Landwirtschaft. Diese Forderung steht im Zentrum einer Eingabe zu einer öffentlichen Konsultation der EU-Kommission über die künftige Regulierung von Gentechnik-Pflanzen. Testbiotech warnt davor, dass die Kommission eine Absenkung der Standards für die Zulassungsprüfung plant, die einer Deregulierung gleichkommt. Zusätzlich soll die Einführung der Neuen Gentechnik in der Landwirtschaft durch gezielte Maßnahmen gefördert werden. Dabei würden mögliche negative Folgen weitgehend ausgeblendet.

Um mehr Ausgewogenheit zu erreichen, müsste zunächst eine umfassende Technikfolgenabschätzung durchgeführt werden. Dabei geht es nicht nur um die Risiken und möglichen Vorteile einzelner Gentechnik-Pflanzen, sondern auch um die systemischen Auswirkungen des Einsatzes der Technologie auf Mensch und Umwelt sowie die Erzeugung von Lebensmitteln. Beispielsweise muss geprüft werden, ob durch eine gleichzeitige Freisetzung von vielen verschiedenen gentechnisch veränderten Organismen nicht ganz neue Dimensionen von Umweltproblemen entstehen können. Ein gesetzlicher Rahmen für eine derartige vorausschauende Folgenabschätzung fehlt aber. Stattdessen stellt die EU-Kommission die bloße Behauptung, Pflanzen aus Neuer Gentechnik könnten zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft beitragen, als Tatsache dar.

Auch wirtschaftliche Auswirkungen auf Landwirtschaft und Züchtung müssten im Rahmen einer Folgenabschätzung systemisch betrachtet werden. Dazu gehören insbesondere die Auswirkungen der Patentierung von Saatgut: Immer mehr Patente erstrecken sich nicht nur auf die technischen Verfahren, sondern auch auf die genetische Vielfalt unserer Nutzpflanzen. Dadurch wird der Zugang zu den Grundlagen der Pflanzenzucht behindert oder sogar blockiert. Dies ist ein erhebliches Risiko für die Zukunft der Welternährung.

Die EU-Kommission bezieht hier extrem einseitige Positionen: Sie behauptet, dass sich die Risiken der Neuen Gentechnik nicht von denen der konventionellen Züchtung unterscheiden ließen. Die Frage der Patentierung wird im Rahmen der Konsultation sogar ausdrücklich ausgenommen. Testbiotech spricht deswegen von einem drohenden Realitätsverlust der Kommission, der zu einer erheblichen Gefährdung der Lebensgrundlagen führen kann.

Tatsächlich plant die EU-Kommission wohl eine Art ‚Greenwashing‘ für die Neue Gentechnik: Entsprechende Lebensmittel sollen als besonders ‚nachhaltig‘ gekennzeichnet werden und die Einführung der Technologie in Züchtung und Landwirtschaft gezielt gefördert werden. Testbiotech warnt dagegen, dass ohne eine umfassende Folgenabschätzung einer weiteren vom Menschen gemachten Krise der Weg bereitet werden könnte, mit weitreichenden Folgen für künftige Generationen. Ähnlich wie bei anderen Technologien, die den Schutz von Umwelt und Natur gefährden, müsste auch bei der Neuen Gentechnik die Freisetzung von Organismen auf das absolut Notwendige begrenzt beziehungsweise möglichst vermieden werden.

Kontakt:
Christoph Then, Tel 0151 54638040, info@testbiotech.org

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