Manipulierte Blüte bei NGT-Pflanzen: ein Riss durch die Ökosysteme

CRISPR-Technologie ermöglicht umfassende Veränderung bei Blütenpflanzen mit schwerwiegenden Kettenreaktionen für die Umwelt

13. Januar 2026

Eine aktuelle Veröffentlichung chinesischer Forscher zeigt, dass der Aufbau von Blüten durch die Neue Gentechnik (NGT) so verändert werden kann, dass eine Bestäubung durch Roboter möglich wird. Dies ist nur ein Beispiel für mehr als 100 NGT-Anwendungen bei Pflanzen, die darauf abzielen, deren Blüte zu manipulieren. Heute veröffentlicht Testbiotech einen neuen Hintergrundbericht, der einen Überblick über die aktuelle Entwicklung gibt und die damit verbundenen Risiken erläutert.

Die NGT-Anwendungen setzen bei Merkmalen an, die die Grundlage der Fortpflanzung sind, wie Blütenmorphologie und Blühzeitpunkt. Mehrere der betroffenen Arten oder Genera wie Ackerschmalwand, Alpenkresse, Borstenhirse, Glockenblumen, Leindotter, Luzerne, Pappeln, Raps, Reis, Sorghum und Zwenken sind in der Lage auszukreuzen und sich in Feldern und darüber hinaus in der Umwelt zu verbreiten.

Die Risiken der Manipulation von Blüten betreffen die Ökosysteme auf mehreren Ebenen und können sie in ihrer Gesamtheit gefährden. Mögliche Schäden betreffen die Störung der Interaktionen innerhalb und zwischen den Arten. Diskrepanzen zwischen Bestäubern und Pflanzenblüte kann die Fortpflanzung der Pflanzen behindern sowie nützliche und geschützte Insekten gefährden. Veränderungen im Aufbau der Blüten können den Genaustausch mit natürlichen Populationen verstärken. Es besteht die Gefahr, dass natürliche Arten geschwächt werden, während sich einzelne Arten zu schädlichen Unkräutern entwickeln. Darüber hinaus kann die Hybridisierung zwischen den NGT-Pflanzen oder mit Wildpflanzen zu neuen unerwünschten Eigenschaften führen, die nicht vorhersehbar sind.

Wie der neue Hintergrund zeigt, können NGT-Pflanzen mit manipulierten Blüten ein ernstes Risiko für die biologische Vielfalt und den Artenschutz darstellen, wenn sie ohne angemessene Risikobewertung und ausreichende Kontrolle in die Umwelt freigesetzt werden. Weitere Gefahren sind die Gefährdung der Ernährungssicherheit durch die Kontamination von Saatgut.

Veränderungen in der Blüte wurden auch durch frühere Züchtungsmethoden erreicht. NGTs können jedoch über das hinausgehen, was durch konventionelle Züchtung möglich wäre. So können beispielsweise kleine Veränderungen in regulatorischen DNA-Elementen zu Genvarianten führen, die mit konventionellen Methoden praktisch unmöglich zu erreichen sind. Ein Beispiel hierfür ist die Erzeugung von ‚Robo-Blüten‘.

NGT-Eingriffe werden oft durch künstliche Intelligenz unterstützt, was die Entwicklung solcher Anwendungen in naher Zukunft noch erheblich beschleunigen wird. Darüber hinaus erweitert sich das Spektrum der betroffenen Arten und umfasst nun auch Pflanzen, die bisher nicht für Züchtungszwecke genutzt wurden oder für diese unzugänglich waren, insbesondere Wildpflanzenarten.

Dennoch plant die EU, die meisten dieser NGT-Pflanzen (darunter auch die ,Robo-Blüten‘) als gleichwertig mit Pflanzen aus konventioneller Züchtung einzustufen. Die vorgeschlagene künftige Regulierung ist daher nicht ausreichend für einen sicheren Umgang mit NGT-Pflanzen. Sie würde die massenhafte Freisetzung von NGT-Pflanzen ohne Umweltrisikoprüfung auch dann erlauben, wenn diese völlig neu für die Umwelt sind.

Konzerne wie Monsanto/Bayer haben bereits Patente auf NGT-Pflanzen mit manipuliertem Blühzeitpunkt angemeldet. Angetrieben von Profitinteressen werden die Unternehmen versuchen, so schnell wie möglich damit auf den Markt zu kommen. Dadurch wird das Tempo und der Umfang von Freisetzungen sowie der Druck auf die Ökosysteme erhöht.

Testbiotech fordert, den aktuellen Vorschlag der EU abzulehnen. Wenn NGT-Pflanzen Genvarianten aufweisen, die bisher unbekannt waren und mit bisherigen Züchtungsmethoden wahrscheinlich nicht erreichbar sind, muss dies als Ausgangspunkt für eine eingehende Prüfung ihrer Umweltrisiken festgelegt werden.

Kontakt:

Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040

Weiterführende Informationen:

Der Hintergrundbericht (Englisch)