Golden-Rice: PR Kampagne ohne Glaubwürdigkeit

Nach vielen Jahren der Produktentwicklung steht der gentechnisch veränderte „Golden Rice“ immer noch vor seiner möglichen Markteinführung. Wäre es nach den Vorstellungen seiner Entwickler gegangen, hätte der Reis spätestens seit 2012 kommerziell angebaut werden sollen. Doch noch 2013 wurden diese Pläne erneut verschoben. Mitarbeiter des internationalen Reisforschungsinstituts IRRI, das bei der Entwicklung des Gentechnik-Reis eine führende Rolle übernommen hat, gaben Anfang zum ersten Mal offen zu, dass wesentliche Untersuchungen bezüglich der Nahrungsmittelqualität und der Sicherheit des Gentechnik-Reis fehlen.

Bei der wiederholten Verschiebung der Markteinführung spielt möglicherweise ein Skandal um Versuche mit chinesischen Schulkindern eine entscheidende Rolle: Weil weder Eltern noch Kinder ausreichend darüber informiert worden waren, dass mit der Schulnahrung auch gentechnisch veränderter Reis verabreicht wurde, wurden in China mehrere Wissenschaftler entlassen und den betroffenen Familien Entschädigungen bezahlt.

Gleichwohl fordern bekannte Befürworter wie Ingo Potrykus nach wie vor die sofortige Marktzulassung für den Gentechnik-Reis. Inzwischen ist die Gruppe der Golden Rice Befürworter daher deutlich gespalten. Manche Befürworter gehen dabei unglaublicherweise so weit, Behörden und Kritikern vorzuhalten, sich eines „Holocausts“ oder eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit mitschuldig zu machen, wenn die Einführung des Gentechnik-Reis nicht sofort erfolgt. Sie fordern eine generelle Absenkung der Standards für die Risikoprüfung gentechnisch veränderter Pflanzen, um deren Marktzulassung zu beschleunigen.

Ein Hintergrund von Testbiotech zeigt, dass es dem Projekt insgesamt an wissenschaftlicher Sorgfalt und Glaubwürdigkeit mangelt. Die Kommunikation weist über Jahre deutliche propagandistische Züge auf und ist ethisch nicht akzeptabel. Das Projekt wird über die Bekämpfung der Vitamin-A-Mangelkrankheit hinaus zum Präzedenzfall gemacht, um Druck auf die Zulassungsbehörden auszuüben und die Einführung der Agro-Gentechnik zu beschleunigen.

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