Gentechnik-Reis soll auf den Philippinen angebaut werden

Testbiotech warnt vor Folgen für biologische Vielfalt und regionale Sorten

4. August 2021 / Nach Angaben des Internationalen Reisforschungsinstitut IRRI hat der sogenannte ‚Goldene Reis‘ eine Zulassung für den Anbau auf den Philippinen erhalten. Die Genehmigung für den transgenen Reis wird von der philippinischen Organisation MASIPAG, der viele Reisbauern angehören, scharf kritisiert. Ihre Bedenken sind, dass mit den Pflanzen nicht der Bevölkerung geholfen, sondern vor allem die Abhängigkeit von der Gentechnikindustrie gefördert wird.

Testbiotech verweist zudem auf erhebliche Risiken: Die Gentechnik-Pflanzen können sich unkontrolliert ausbreiten und ihre Gene u.a. an wilden Reis weitergeben. Über den Wildreis, der in den Anbauländern entlang der Felder weit verbreitet ist, können die Transgene dann auch zurück auf die Felder und in den gentechnikfreien Reis gelangen. Ähnliche Probleme mit Gentechnik-Reis gab es in der Vergangenheit bereits in den USA und China, obwohl dieser dort nur in Feldversuchen getestet, aber nicht auf großen Flächen angebaut wurde.

Eine Kontamination mit Gentechnik-Reis ist auf den Philippinen ein ganz besonderes Problem: Hier liegt eines der wichtigsten Zentren der biologischen Vielfalt von Reis. Unter diesen Bedingungen bedeutet der Anbau eine erhebliche Gefahr für den Erhalt der Biodiversität und der regionalen Sorten.

Studien zeigten auch unerwartete Effekte, die eine rasche Ausbreitung von Gentechnik-Pflanzen begünstigen können. Nachkommen von transgenem Reis, der gegen Glyphosat resistent gemacht wurde, und wildem Reis produzierten eine höhere Anzahl an Samen, die zudem im Boden länger keimfähig blieben. Beides kann die Ausbreitung von Transgenen deutlich beschleunigen. Ob ähnliche Effekte auch beim ‚Goldenen Reis‘ auftreten, wurde nicht untersucht.

Golden Rice soll Vorstufen von Vitamin A, sogenanntes beta-Carotin, in den Reiskörnern bilden und so zur Bekämpfung der Vitamin-A-Mangelkrankheit eingesetzt werden, die in vielen Entwicklungsländern ein ernsthaftes Problem darstellt. Doch wesentliche Daten zur Nahrungsmittelqualität und Nahrungsmittelsicherheit fehlen nach wie vor, obwohl der Gentechnik-Reis schon seit mehr als 20 Jahren in der Entwicklung ist.

Die vorliegenden Daten zeigen zudem niedrige Gehalte an beta-Carotin und lassen hohe Verluste durch Lagerung und Kochen erwarten. Es muss deswegen bezweifelt werden, dass ein Verzehr der Körner die Vitaminversorgung tatsächlich wesentlich verbessern kann. Eine aktuelle Veröffentlichung bestätigt sehr unterschiedliche Carotingehalte, die von den jeweiligen Sorten beeinflusst werden. Bisher wurden keine Ergebnisse von Fütterungsstudien mit dem Gentechnik-Reis veröffentlicht.

Kontakt:
Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040

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