Laut einem Vorschlag der Europäischen Kommission sollen die bestehenden Sicherheitsstandards für gentechnisch veränderte Mikroorganismen deutlich abgesenkt werden, um beschleunigte Freisetzungen bzw. Zulassungen zu ermöglichen. In einer umfassenden Fallstudie zeigt Testbiotech, dass dieser Vorschlag aus der Sicht des Schutzes von Mensch und Umwelt ungeeignet ist.
Die Fallstudie befasst sich mit weit verbreiteten und als sehr nützlich eingeschätzten Bakterien, die in ihrer natürlichen Form bereits zur Bodenverbesserung, zur Unterstützung des Pflanzenwachstums, zur Abwehr von Pflanzenkrankheiten und auch zur Unterstützung der Darmgesundheit bei Tieren eingesetzt werden (Bacillus amyloliquefaciens und B. velezensis).
Aktuelle Publikationen zeigen, dass diese Mikroben mittels Neuer Gentechnik (NGT) so verändert werden, dass sie Eigenschaften aufweisen, die mit bisherigen Methoden nicht erreicht werden können. Dafür müssen keine zusätzlichen Gene eingefügt werden. Stattdessen werden dafür die bereits vorhandenen Gene der Bakterien in ihrer Aktivität verändert oder auch Gene aus dem Erbgut entfernt.
Nach den Plänen der Kommission könnten derartige NGT-Bakterien auch dann freigesetzt werden, wenn es in der Risikobewertung erhebliche Datenlücken gibt. Der Grund: Die Bakterien sind in ihrer natürlichen Form auf einer Liste von Mikroorganismen zu finden, die als sicher angesehen werden. Diese Liste enthält mehr als 120 Bakterien-, Hefen- und Algenarten und auch Viren. Werden keine zusätzlichen ‚bedenklichen‘ Gene eingeführt, soll diese Liste in Zukunft auch bei der Freisetzung von gentechnisch veränderten Mikroben zur Anwendung kommen. Man geht dann generell von einem niedrigen Risiko aus und für die Prüfung Risiken für Mensch und Umwelt Risikoprüfung werden weniger Untersuchungen verlangt.
Doch diese Annahmen sind nicht gerechtfertigt. Die vorliegenden Studien zeigen beispielsweise, dass NGT-Bakterien auch dann wesentlich invasiver werden können, wenn keine zusätzlichen Gene eingeführt wurden. Insgesamt zeigt der Bericht von Testbiotech, dass eine Freisetzung gentechnisch veränderter Bodenmikroorganismen nur mit größter Vorsicht erfolgen darf und im Zweifelsfall nicht zulassungsfähig ist. Schäden an den natürlichen Populationen können Kettenreaktionen mit gravierenden Folgen auslösen. Darüber hinaus können Beeinträchtigungen der äußerst wertvollen Ökosystemleistungen von Bodenbakterien erhebliche Kosten für Landwirtschaft und die Produktion von Lebensmitteln verursachen.
Nach Einschätzung von Testbiotech sollten Bodenbakterien als Schlüsselorganismen für die Ökosysteme betrachtet werden. Deswegen sollten sie einen ähnlichen Schutzstatus wie bspw. Bestäuber erhalten. Ähnliche Schutzstandards müssten auch für Mikroorganismen gelten, die Teil des Mikrobioms im Darm von Mensch und Tier sind. Der Vorschlag der Kommission, die Schutzstandards bei der Freisetzung von Gentechnik-Mikroben abzusenken, sollte dagegen dringend zurückgewiesen werden.
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Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040
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