Europäischer Rechnungshof kritisiert EFSA - Umgang mit Interessenkonflikten nicht angemessen

Brüssel, 13.10.2012 Der Europäische Rechnungshof (European Court of Auditors, ECA) hat einen Bericht darüber veröffentlicht, wie an bestimmten Behörden mit Interessenkonflikten umgegangen wird. Keine der vier untersuchten Behörden – darunter auch die EFSA – verfügt demnach über ausreichende Schutzregeln. Der Bericht erwähnt ausdrücklich sogenannte „Drehtüreffekte“, die darin bestehen, dass Mitarbeiter der Industrie zur EFSA wechseln oder umgekehrt. Ein wesentliches Defizit, das identifiziert wird, ist ein Mangel an klaren, transparenten und einheitlichen Regeln für Fälle, in denen es zu einem Vertrauensbruch durch Experten oder Mitarbeiter kommt. Auf der politischen Ebene wird bemängelt, dass es bisher keine umfassende EU-Rahmengesetzgebung für den Umgang mit Interessenkonflikten gibt.

Testbiotech hat verschiedene Fälle von Interessenkonflikten bei der EFSA aufgedeckt, die vor allem das Expertengremium betreffen, das mit der Risikobewertung gentechnisch veränderter Organismen zuständig ist. Dabei kritisiert Testbiotech insbesondere die Einflussnahme durch das International Life Sciences Institute (ILSI), das von der Biotech- und Lebensmittelindustrie finanziert wird.

In ihrer Antwort auf den Bericht des Rechnungshofes, stellt die EFSA jetzt fest: „There is no involvement of ILSI as such in any EFSA scientific activities.” Testbiotech ist der Ansicht, dass dieses Statement der EFSA irreführend ist, da der Einschub „as such“ (als solche) die Aussage in ihrem Kern relativiert. Eine Einflussnahme durch ILSI ist dadurch keineswegs ausgeschlossen. So war zum Beispiel Harry Kuiper, zwischen 2003 und 2012 Vorsitzender des Gentechnik-Expertenpanels der EFSA, parallel auch beim ILSI aktiv.

Die EFSA hat jüngst eine Stellungnahme zu Fütterungsversuchen mit Ratten veröffentlicht, die über ihre gesamte Lebenszeit dem gentechnisch veränderten Mais NK603 und dem Herbizid Glyphosat ausgesetzt waren. Gleichzeitig hatte EFSA bereits früher die Sicherheit von NK603 bestätigt. Vor dem Hintergrund des Reports des EU Rechnungshofes empfiehlt Testbiotech die Einrichtung einer internationalen Expertengruppe zur Überprüfung der aktuellen Studie, die keine Verbindungen zur EFSA hat. Es erscheint unwahrscheinlich, dass die EFSA hier ihre Einschätzungen vorurteilsfrei abgibt.

Rückfragen: Christoph Then, 015154638040, info@testbiotech.org

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