Erstmals Auftreten von Teosinte auf Feldern mit MON810 bestätigt

Umweltfolgen des Anbaus von Gentechnik-Mais werden nicht ausreichend erfasst

29. August 2025

Ein neuer Bericht der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) zum Gentechnik-Mais MON810 bestätigt erstmals offiziell das Auftreten von Teosinte in Feldern, auf denen MON810 wächst. Teosinte gilt in der EU als gefährliches Unkraut, das sich mit Mais kreuzen und zu erheblichen Ernteausfällen führen kann. Wenn sich Teosinte mit MON810 kreuzt, könnten sich die Hybrid-Pflanzen leichter in der Umwelt verbreiten.

MON810 ist die einzige Gentechnik-Pflanze die in der EU zum Anbau zugelassen ist. Dieser findet fast ausschließlich in Spanien statt. MON810 produziert das Insektengift Cry1Ab, mit dem Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) und Mittelmeer-Maiszünsler (Sesamia nonagrioides) bekämpft werden sollen.

Auch über 25 Jahre nach der Erstzulassung von MON810 werden die Umweltfolgen des Anbaus der Pflanzen jedoch immer noch nicht ausreichend untersucht. Im Detail lässt sich dem Bericht der EFSA zum sogenannten ‚Post Market Environmental Monitoring’ (PMEM) entnehmen:

  • Das Risiko einer Kreuzung des Gentechnik-Mais mit der invasiven Mais-Wildart Teosinte wurde jahrelang deutlich unterschätzt. Schon vor den Funden von Teosinte in Feldern mit Gentechnik-Mais hatten spanische Wissenschaftler gezeigt, dass eine Kreuzung zwischen dem Gentechnik-Mais und dem Unkraut Teosinte wahrscheinlicher ist als bislang angenommen. Zudem haben die Pflanzen, die aus dieser Kreuzung hervorgehen, laut diesen Untersuchungen Fitnessvorteile und könnten sich so leichter in der Umwelt verbreiten.
  • Der Schutz von gefährdeten Schmetterlingsarten (oder anderen Insektenarten) ist nicht gewährleistet, da es weder ausreichend Daten über deren Vorkommen in den Anbauregionen gibt, noch Abstandsregelungen zu Naturschutzgebieten erlassen wurden.
  • Obwohl es seit einigen Jahren Anzeichen dafür gibt, dass der Mittelmeer-Maiszünsler gegen das in MON810 gebildete Insektengift resistent wird, gelingt es aufgrund von mangelhaften Datenerhebungen und Laboruntersuchungen nicht, den genauen Status der Resistenzentwicklung zu ermitteln.

Der Bayer-Konzern, der MON810 vermarktet, ignoriert seit Jahren Mahnungen der EFSA, den Schutz der Umwelt durch eine verbesserte Datenerhebung zu sichern. Die EU-Anbauzulassung für MON810 ist 2008 ausgelaufen, seitdem erfolgt der Anbau ohne erneuerte Genehmigung in einer rechtlichen Grauzone. Erst kürzlich hatte eine Publikation weitere, bislang übersehene Risiken von MON810 für Marienkäfer gezeigt.

Nach Einschätzung von Testbiotech zeigt der vorliegende EFSA-Bericht, dass der Anbau von MON810 unter diesen Bedingungen nicht zu verantworten ist. Die EU-Kommission müsste den Anbau deswegen verbieten.

Kontakt:

Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040

Weitere Informationen:

Der Bericht der EFSA

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