Erste systematische Studie über Unterschiede zwischen Züchtung und Neuer Gentechnik: Endfassung publiziert

Die EU ist in Gefahr, grundlegende wissenschaftliche Standards aufzugeben

25. November 2025

Die erste systematische Studie über Unterschiede zwischen konventioneller Pflanzenzüchtung und Neuer Gentechnik (NGT) wurde jetzt vom InternationalJournal of Molecular Sciences nach externer Begutachtung publiziert. Die Studie umfasst Beispiele wie NGT-Erdbeeren, Rutenhirse, Leindotter, Mais, Pappeln, Reis, Salat, Senf, Tomaten und Weizen. Die jeweiligen genetischen Veränderungen sind oft nur geringfügig, dennoch unterscheiden sich die Ergebnisse deutlich von denen, die durch konventionelle Züchtung erzielt werden.

Molekulare Mechanismen können das Erbgut von Pflanzen (und Tieren) davor schützen, dass sich Mutationen wahllos und überall gleichzeitig ereignen. Diese Mechanismen sind aus Sicht der Evolution sehr sinnvoll. Sie stabilisieren die Merkmale der Arten, lassen aber auch Anpassungen zu. Diese Mechanismen stellen aber auch gewisse Hürden/Beschränkungen für die Ergebnisse der bisherigen Pflanzenzüchtung dar. Für Gen-Scheren wie CRISPR/Cas, auch rekombinante enzymatische Mutagene (REM) genannt, sind diese Mechanismen dagegen oft leicht zu überwinden. Deswegen ermöglichen NGTs die Einführung genetischer Veränderungen und Gen-Kombinationen, die mit bisheriger Pflanzenzüchtung (einschließlich Zufallsmutagenese) kaum erreichbar sind.

Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich die Notwendigkeit für eine Risikoprüfung: Vor einer Freisetzung müssen NGT-Pflanzen, die für die Umwelt neu sind, auf Risiken untersucht werden. Ansonsten könnten negative Auswirkungen auf die Umwelt den potenziellen Beitrag von NGT-Pflanzen zur Nachhaltigkeit gefährden und die biologische Vielfalt irreversibel schädigen. Die Risiken betreffen auch die Zukunft der europäischen Landwirtschaft, wenn beispielsweise nicht ausreichend getestete NGT-Pflanzen (z. B. aus experimentellen Feldversuchen) in den Genpool der Züchter gelangen.

Vor diesem Hintergrund wirkt der aktuelle Vorschlag der EU geradezu grotesk. Demnach sollen NGT-Pflanzen konventionell gezüchteten Sorten weitgehend gleichgesetzt werden. Kurz gesagt wird ein Schwellenwert von 20 genetischen Veränderungen festgelegt, um NGT-Pflanzen von einer Prüfung ihrer Umweltrisiken zu befreien. Doch derartige ‚magische Schwellenwerte‘ für eine bestimmte Anzahl genetischer Veränderungen sind für die künftige Regulierung von NGT-Pflanzen völlig ungeeignet. Sie stehen im Widerspruch zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Vor diesem Hintergrund warnt Testbiotech, dass die EU in Gefahr ist, grundlegende wissenschaftliche Standards aufzugeben und den nachfolgenden Generationen erhebliche Risiken aufzubürden. Egal ob es um Klimawandel, um die Ewigkeitschemikalien PFAS oder Gentechnik geht, die zugrundeliegenden wissenschaftlichen Fakten müssen ausreichend geprüft werden, um zu einer guten Gesetzgebung zu kommen.

Außerdem verfolgt Testbiotech mit Sorge, dass auf einzelne Abgeordnete des EU-Parlaments, die sich für bessere Lösungen einsetzen, enormer Druck ausgeübt wird. Insbesondere die aktuelle Ratspräsidentschaft, die dänische Regierung, scheint dazu entschlossen, den vorliegenden Vorschlag als Gesetz zu beschließen, ohne ausreichend Rücksicht auf Mensch und Umwelt zu nehmen.

Kontakt:

Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040

Weiterführende Informationen:

Die Studie

Factsheet zur Studie