EFSA führt öffentliche Konsultation zu neuer Gentechnik durch

Testbiotech fordert erhebliche Veränderungen des Entwurfes

11. Mai 2020 / Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA führt derzeit eine öffentliche Konsultation zur Risikobewertung von Pflanzen durch, die mit Verfahren der neuen Gentechnik (Genome Editing) generiert werden. Dabei befasst sich die EFSA mit Veränderungen des Erbgutes, die mit Hilfe von Gen-Scheren wie CRISPR/Cas herbeigeführt werden, bei denen aber keine zusätzlichen Gene in das Erbgut eingefügt werden. Testbiotech kommt zu der Einschätzung, dass der veröffentlichte Entwurf erhebliche Mängel aufweist, weil er zahlreiche relevante Publikationen und wissenschaftliche Erkenntnisse außer Acht lässt.

Die EFSA vermittelt in ihrem Dokument den Eindruck, dass die Methoden der neuen Gentechnik schon deswegen keine neuen Herausforderungen an die Risikobewertung stellen würden, weil nicht beabsichtigt sei, zusätzliche Gene einzufügen. Analysiert man die Argumente der EFSA genauer, scheinen diese allerdings weitgehend durch die Nichtbeachtung wichtiger Fakten geprägt zu sein.

So berücksichtigt die EFSA das technische Potential der neuen Technologien und insbesondere der Anwendungen von CRISPR/Cas nicht ausreichend. Diese Verfahren ermöglichen tiefgreifende Veränderungen von Pflanzen, ohne zusätzliche Gene einzufügen. In den meisten Fällen resultieren daraus Veränderungen von biologischen Eigenschaften, z.B. der Inhaltsstoffe von Pflanzen, die weit über das hinausgehen, was mit den bisherigen Methoden der Züchtung erreicht werden konnte. Die Risiken von Freisetzung, Anbau und Verzehr solcher Pflanzen müssen in jedem Fall eingehend untersucht werden, bevor eine Aussage über ihre Sicherheit getroffen werden kann.

Zudem verursachen die Verfahren der neuen Gentechnik viele spezifische, unerwünschte Effekte. In den meisten Fällen werden die neuen Verfahren auch mit den Methoden der ‚alten‘ Gentechnik, wie der ‚Gen-Kanone‘ kombiniert. Alle Auswirkungen des mehrstufigen Verfahrens des Genome Editing müssen bei der Risikoabschätzung berücksichtigt werden.

Im Gegensatz zur Einschätzung der EFSA können die Effekte der neuen Gentechnik tatsächlich kaum mit denen der konventionellen Züchtung verglichen werden. Gen-Scheren wie CRISPR/Cas sind sogenannte biotechnologische Mutagene, die, anders als chemische oder physikalische Mutagene, direkt mit biologischen Mechanismen auf der Ebene des Genoms in Wechselwirkung treten. Mit Hilfe dieser biotechnologischen Mutagene können natürliche Mechanismen der Genregulation umgangen werden und das Erbgut kann in viel größerem Umfang für Veränderungen verfügbar gemacht werden als je zuvor.

Die neuen Herausforderungen für die Risikobewertung betreffen auch Umweltrisiken wie die Veränderung von Inhaltsstoffen von Pflanzen, die Auswirkungen auf die Nahrungsnetze oder auf die Interaktion und Kommunikation mit der Umwelt haben. Dazu kommen Risiken derjenigen gentechnisch veränderten Pflanzen, die in der Umwelt überdauern und sich fortpflanzen können.

Testbiotech fordert, dass der Entwurf der EFSA wesentlich verbessert wird und dass die Methoden und Richtlinien der Risikobewertung entsprechend angepasst werden. Nach Analyse von Testbiotech müssen die genetischen und biologischen Eigenschaften in jedem Fall und, ausgehend vom jeweiligen Verfahren, eingehend untersucht werden, bevor über die Sicherheit der Pflanzen entschieden wird.

Kontakt:
Christoph Then, Tel. 0151 54638040, info@testbiotech.org

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