Testbiotech hat sich die Berichterstattung des SPIEGEL über die Diskussion um Pflanzen aus ‚Neuer Gentechnik‘ (NGT) genauer angesehen. Untersucht wurde der Zeitraum 2018–2024. Dabei fällt auf, dass sich bestimmte Kerninhalte in der Berichterstattung formelhaft wiederholen. Insbesondere werden Ähnlichkeiten zwischen klassischer Pflanzenzucht und NGT behauptet, die den aktuellen Stand des Wissens nicht adäquat abbilden.
Das vom SPIEGEL und auch anderen Leitmedien verbreitete Narrativ besagt, dass genetische Veränderungen (Mutationen) im Rahmen der konventionellen Pflanzenzucht spontan auftreten bzw. durch chemische oder physikalische Mutagene herbeigeführt werden. Darauf basierend wird behauptet, dass es zwischen den Mutationen in der konventionellen Züchtung und gentechnischen Veränderungen, die durch ‚Gen-Scheren’ herbeigeführt werden, keine wesentlichen Unterschiede gebe. Ähnliche Behauptungen werden von verschiedenen Akteuren aufgestellt, mit dem Ziel, NGT-Pflanzen weitgehend von einer Risikoprüfung auszunehmen und konventionell gezüchteten Pflanzen gleichzusetzen.
Eine aktuelle Studie bestätigt dagegen, dass es erhebliche Unterschiede zwischen konventioneller Pflanzenzüchtung und Neuer Gentechnik gibt. Der Grund dafür liegt in der speziellen Wirkungsweise von biotechnologisch erzeugten Enzymen wie der ‚Gen-Schere‘ CRISPR/Cas. Diese Unterschiede betreffen auch die NGT-Pflanzen, die jetzt von der Risikoprüfung ausgenommen werden sollen. Sie sind nicht nur für potenzielle Innovationen in der Pflanzenzüchtung von Bedeutung, sondern auch entscheidend für die Risikobewertung von NGT-Pflanzen.
Die Tatsachenbehauptungen bezüglich der Gleichheit zwischen Neuer Gentechnik und konventioneller Zucht wurden im SPIEGEL weder im Detail begründet noch zur Diskussion gestellt. In der Folge werden auch wissenschaftlich begründete Risiken von NGT-Pflanzen in der Berichterstattung systematisch ausgeblendet. So wird das wissenschaftlich nicht haltbare Bild vermittelt, die Risiken von Pflanzen aus Neuer Gentechnik würden sich grundsätzlich nicht von denen aus konventioneller Zucht unterscheiden. Auch in seiner aktuellen Berichterstattung bleibt der SPIEGEL im Wesentlichen bei dieser Linie.
Testbiotech warnt vor den Folgen einer einseitigen Berichterstattung über dieses Thema, die zu einer fehlgeleiteten Gesetzgebung führen kann, mit nicht mehr umkehrbaren Folgen für die Umwelt. Diese Woche haben die UnterhändlerInnen von EU-Parlament und Ministerrat dem Plan einer weitreichenden Gleichstellung von NGT-Pflanzen mit denen aus konventioneller Züchtung, zugestimmt. Bis zur endgültigen Abstimmung über die neue Regulierung bleiben noch einige Wochen. Vor diesem Hintergrund sollten die Medien ihre Berichterstattung zu diesem Thema jetzt kritisch überprüfen.
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Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040
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