Ein neuer Bericht von Testbiotech befasst sich mit der Konvergenz von künstlicher Intelligenz (KI) und Gentechnik. Dabei stehen die Risiken für die biologische Vielfalt im Mittelpunkt. Die vorgestellten Beispiele umfassen unter anderem insektengiftigen Mais, an Roboter angepasste Blüten, gentechnisch veränderte Insekten, Mikroorganismen und Viren.
In den letzten Jahrzehnten wurden riesige Mengen an Genomdaten digitalisiert und in Datenbanken verfügbar gemacht. Diese molekulargenetischen Informationen können mithilfe von KI durchsucht und als Grundlage für das Design neuer Genvarianten und Genkombinationen genutzt werden. Gleichzeitig wurde es durch die Werkzeuge der Neuen Gentechnik (NGT) möglich, fast jedes Gen in jeder Lebensform gentechnisch zu verändern.
Problematisch sind in diesem Zusammenhang geopolitische Rivalitäten zwischen den USA, China und der EU. Die Konvergenz von KI und Gentechnik wird als Schlüssel für technologische Überlegenheit, Wohlstand, Sicherheit und militärische Vormacht gesehen. Vor diesem Hintergrund könnte eine politische Bereitschaft entstehen, mögliche Schäden durch Freisetzungen gentechnisch veränderter Organismen wissentlich in Kauf zu nehmen, um den technologischen Wettlauf zu ‚gewinnen‘.
Es drohen sich libertäre Vorstellungen durchzusetzen, die im Bereich von KI und Biotechnologie jegliche Regulierung ablehnen. Dagegen verweisen viele ExpertInnen darauf, dass gerade hier verstärkte internationale Zusammenarbeit dringend notwendig ist, um die Risiken einzudämmen.
Wie sich auch am Beispiel der EU Pläne für eine künftige Regulierung von NGT-Pflanzen zeigt, ist zu befürchten, dass sich der Gesetzgeber weitgehend aus der Verantwortung für den Schutz von Mensch und Umwelt zurückzieht und diese den freien Kräften des Marktes überlässt. Nach den aktuellen Plänen der EU wäre die Prüfung von Umweltrisiken in Zukunft nur noch in Ausnahmefällen vorgeschrieben. Hierfür würden willkürliche Schwellenwerte wie eine Anzahl von 20 genetischen Veränderungen festgelegt.
KI könnte unter diesen Rahmenbedingungen sehr einfach dazu eingesetzt werden, NGT-Pflanzen zu designen, die diese Schwellenwerte nicht überschreiten und trotzdem Eigenschaften aufweisen, die neu für die Umwelt sind. Im Resultat dürften NGT-Pflanzen, auch wenn sie erhebliche Risiken aufweisen, ohne Umweltrisikoprüfung vermarktet und in die Umwelt entlassen werden.
Die neuen Technologien könnten möglicherweise einen Teil zur Lösung aktueller Probleme beisteuern. Dafür ist es aber notwendig, diese so zu regulieren, dass Schäden für Mensch und Umwelt und insbesondere für kommende Generationen verhindert werden. Deswegen plädiert Testbiotech für die Ablehnung des aktuellen Vorschlags zur Deregulierung der Neuen Gentechnik. Zudem schlägt die Organisation zehn Maßnahmen zur Eindämmung der Risiken von KI und Gentechnik vor.
Kontakt:
Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040
Weiterführende Informationen:
Der Bericht „… weit jenseits aller Kontrolle und Vorhersage.“