CRISPR-Senfsalat in Turbulenzen

Firma Pairwise setzt auf tiefgreifende Veränderungen unserer Nahrungspflanzen

19. März 2024 / Laut einer Meldung des „Food Navigator“ vom Februar 2024 setzt die US-Firma Pairwise die direkte Vermarktung von Senfblättern aus Neuer Gentechnik (NGT) aus. Sie will die Vermarktung der Pflanzen als Salatblätter künftig über Kooperationspartner fortsetzen, die aber erst noch gefunden werden müssten. Der Senf wurde 2023 auf den US-amerikanischen Markt gebracht, als eine der ersten NGT-Pflanzen weltweit.

Der NGT-Senf (Brassica juncea), auf den die Firma bereits zwei Patente angemeldet hat (WO2021030738 und WO2024020360), weist tiefgreifende Veränderungen in seinem Stoffwechsel auf: Durch die gentechnischen Veränderungen produziert er deutlich weniger scharf schmeckende Bitterstoffe, die für diese Art typisch sind.

Natürlicherweise dienen diese Bitterstoffe zur Abwehr von Schädlingen, beim Menschen gehen sie beim Verzehr mit positiven gesundheitlichen Effekten einher. Welche gesundheitlichen Vorteile VerbraucherInnen von den CRISPR-Senfblättern zu erwarten haben, ist ebenso unklar wie die Folgen eines Anbaus der Senfpflanzen auf die Ökosysteme.

Auch Senf aus konventioneller Züchtung kann eine verringerte Konzentration an Bitterstoffen aufweisen. Doch die extremen Veränderungen im Stoffwechsel der CRISPR-Pflanzen, die zu einer weitgehenden Unterdrückung der Produktion der Bitterstoffe führen, konnten mit bisheriger Züchtung nicht erreicht werden.

Obwohl sich der Senf im Hinblick auf seine beabsichtigten und unbeabsichtigten Eigenschaften deutlich von bisheriger Züchtung unterscheidet, würde er nach den aktuellen Vorschlägen von EU-Parlament und EU-Kommission mit Pflanzen aus konventioneller Zucht gleichgesetzt und könnte ohne eingehende Prüfung der Risiken angebaut werden. Dabei bestünde unter anderem das Risiko, dass sich die Pflanzen, die vor allem von Insekten bestäubt werden, unkontrolliert in andere Kreuzblütler wie z.B. Raps auskreuzen und sich auch über den Acker hinaus verbreiten können.

Die Firma Pairwise, die unter anderem mit dem Bayer-Konzern kooperiert, hat weltweit bereits über 250 Patente angemeldet und setzt dabei auf tiefgreifende Veränderungen unserer Nahrungspflanzen, darunter Mais, Soja, aber auch Kirschen, Erdbeeren und Brombeeren. Gleichzeitig setzt sich die Firma offensiv für eine Abschaffung der verpflichtenden Risikoprüfung ein.

Ob für neue Kreationen wie Kirschen ohne Kerne oder Senf ohne Bitterstoffe tatsächlich ein Markt besteht, scheint zweifelhaft. In jedem Fall müssten aber die Risiken für Mensch und Umwelt eingehend geprüft werden und, falls notwendig, Maßnahmen gegen eine unkontrollierte Ausbreitung ergriffen werden.

Vor diesem Hintergrund kritisiert Testbiotech die Vorschläge zur Deregulierung von NGT-Pflanzen in der EU, da diese wissenschaftlich nicht begründet werden können.

Kontakt:
Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040

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