Coronaviren: ‚intelligente‘ Mutanten

Anpassung von SARS-CoV-2 an Immunsystem nicht rein zufällig

25. Februar 2021 / Forschung an SARS-CoV-2 zeigt, dass das Auftreten der neuen Mutationen keineswegs rein zufälligen Mustern folgt. Vielmehr verfügt das Virus über Reparatur- und Anpassungsmechanismen seines Erbguts, die das Auftreten besonders gefährlicher Mutationen beschleunigen. Vor diesem Hintergrund erscheinen bezüglich der Pandemie vor allem Strategien sinnvoll, die auf eine möglichst weitgehende Absenkung der Inzidenzrate setzen.

In der Süddeutschen Zeitung wurde am 4. Februar über diverse Mutationen von SARS-CoV-2 berichtet, darunter die britische Variante B.1.1.7. Dabei erwecken die VerfasserInnen den Eindruck, dass die neuen Mutanten rein zufällig auftreten: „Klar ist, die Viren passen sich nicht an. Es sind die Kräfte der Evolution, die dafür sorgen, dass sie neue Eigenschaften bekommen.“ Die Virologin Ulrike Protzer erklärt im Artikel: „Wenn Sie uns reden hören […] klingt das immer so, als würden Viren leben. Und denken. Und wären intelligent, was alles Schmarrn ist.“ In dieser Darstellung werden verschiedene Aspekte miteinander vermischt, die man besser trennen sollte. Denn tatsächlich sind die Anpassungsmechanismen von Viren keineswegs rein zufällig. Sie verfügen aufgrund ihrer Evolution über spezifische Problemlösungsfähigkeiten, auch wenn das Virus natürlich nicht ‚denkt‘.

Wie andere Coronaviren hat auch SARS-CoV-2 im Laufe der Evolution gelernt, die Anpassung an seine Wirte wesentlich effizienter zu gestalten als dies bei rein zufälligen Mutationen der Fall wäre: Insgesamt zeigt das Virus eine geringere Mutationsrate als rein statistisch zu erwarten wäre. Dafür verantwortlich sind Proteine, die die korrekte Zusammensetzung des Viren-Erbguts (RNA) während seiner Vervielfältigung prüfen und ggf. auch reparieren können. Ohne diese Kontrollmechanismen könnten zu viele Mutationen die Vermehrung und Infektiosität des Virus stark beeinträchtigen.

Dagegen kann die Mutationsrate in bestimmten Bereichen der Virus-RNA aber auch wesentlich höher sein. Das sind die Bereiche, die für die menschliche Immunabwehr besonders wichtig sind. Das Virus scheint in der Auseinandersetzung mit dem menschlichen Immunsystem auch zu ‚lernen‘, wie dieses zu überwinden ist. Es zeigen sich bestimmte Muster von Veränderungen im Genom der Viren, die es SARS-Cov-2 ermöglichen, rasch neue genetische und immunologische Eigenschaften zu erlangen.

Systeme, die dazu in der Lage sind, Probleme mit einer höheren Erfolgsrate zu lösen, als es durch reinen Zufall zu erwarten wäre, kann man durchaus als ‚intelligent‘ bezeichnen, auch wenn Viren tatsächlich nicht denken und planen.

Für die Bekämpfung der Pandemie erscheinen deswegen Strategien sinnvoll, die auf eine möglichst weitgehende Absenkung der Inzidenzrate setzen und die Schaffung von ‚virusfreien‘ Gebieten anstreben. Diese Strategie kann durch Impfstoffe unterstützt werden. Aber nur auf die Entwicklung und fortlaufende Anpassung von Impfstoffen zu setzen, könnte bedeuten, das Virus weiterhin zu unterschätzen.

Kontakt:
Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040

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