Corona-Pandemie: Kein leichtfertiger Umgang mit der Gentechnik!

Testbiotech fordert mehr Vorsorge in der EU

20. August 2020 / Während Russland möglicherweise mit der Produktion eines nicht ausreichend getesteten Impfstoffes beginnt, hat die EU bestehende Sicherheitsregeln für die Risikoprüfung gentechnisch veränderter Impfviren abgesenkt. Die EU möchte ihrerseits auf diese Weise die Zulassung von Impfstoffen beschleunigen. Testbiotech warnt, dass Risiken für Mensch und Umwelt dabei keineswegs ausgeschlossen sind. Bei begründeten Zweifeln an der Sicherheit muss daher bei der Entwicklung von Impfstoffen das Vorsorgeprinzip beachtet werden.

Bereits im Juli hat das EU-Parlament auf Initiative der EU-Kommission beschlossen, die Auflagen für die Umweltrisikoprüfung für gentechnisch veränderte Impfviren außer Kraft zu setzen, die für alle gentechnisch veränderten Organismen einzuhalten sind. Die niederländische Behörde COGEM hatte zuvor ausdrücklich vor diesem Schritt gewarnt und ihn als unverhältnismäßig bezeichnet. Die Grünen im EU-Parlament hatten zudem versucht, die geplanten Maßnahmen abzuändern, aber keine Mehrheit gefunden.

Gegenwärtig investiert die EU massiv in die Entwicklung entsprechender Impfstoffe und setzt darin große Hoffnungen zur Lösung der Corona-Krise. Zudem sind die Aktienkurse vieler Firmen, die an Impfstoffen arbeiten, deutlich gestiegen. Dabei ist bisher völlig unklar, ob ein tatsächlich ausreichend wirksamer und sicherer Impfstoff gefunden werden kann. Testbiotech befürchtet, dass bei unbedachtem Vorgehen aus erhofften Lösungen rasch neue Probleme entstehen könnten. Deswegen sollten die Risiken der verschiedenen Impfstrategien transparent gemacht und sorgfältig geprüft werden.

Testbiotech kritisiert auch, dass Wissenschaftler, die strengere Regeln für den Umgang mit der Synthese des Erbguts von Viren fordern, kaum Gehör finden. Das Erbgut des Sars-CoV-2 wurde nicht nur vollständig analysiert, es wurden auch Anleitungen zu dessen vollständiger Synthese veröffentlicht. Damit könnte auch die Gefahr missbräuchlicher Anwendungen sowie ungewollter Freisetzungen von im Labor synthetisierten Viren steigen. Doch international verbindliche Regelungen zum Umgang mit den Daten zur Gen-Synthese fehlen, obwohl sie seit vielen Jahren angemahnt werden. Da auch die Herkunft des Virus nach wie vor unklar ist, appelliert Testbiotech an die Politik, diese Risiken auf keinen Fall zu unterschätzen. Gentechnik bietet zwar Chancen zur Entwicklung von Impfstoffen, aber auch die Möglichkeit, Gefahren wie neue Viruskrankheiten erst hervorzurufen.

 

Kontakt:
Christoph Then: Tel.: 015154638040, info@testbiotech.org

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