Bt-Pflanzen verleihen Flügel

Untersuchungen zeigen, dass Fraßinsekten sich bei Anbau von Gentechnik-Pflanzen rascher ausbreiten können

13. Dezember 2025

Mehrere neue Untersuchungen zeigen, dass sich Schädlinge rascher ausbreiten können, wenn sie an gentechnisch veränderte Pflanzen gefressen haben, die sogenannte Bt-Insektengifte produzieren. Die Nachkommen der überlebenden Tiere zeigen den Studien zufolge eine veränderte Flügelform, die den Flugradius erweitert und eine raschere Ausbreitung begünstigt. Damit verbunden sind Risiken für Umwelt und Landwirtschaft.

Zu den betreffenden Schädlingsarten zählen Schmetterlingsarten wie der Baumwollkapselwurm (Helicoverpa zea), der Herbst-Heerwurm (Spodoptera frugiperda), die Zuckerrübeneule (Spodoptera exigua) und der Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera virgifera), eine Käferart. Diese Insekten stellen, unter anderem beim Anbau von Mais, Soja und Baumwolle, ein erhebliches Problem dar. Insbesondere, wenn sie Resistenzen oder Toleranzen gegen die von den Gentechnikpflanzen produzierten Insektengifte entwickelt haben, können sie diese aufgrund ihrer veränderten Flügelform rascher und über größere Distanzen verbreiten.

Erste Hinweise auf größere Flugdistanzen wurden bereits vor über zehn Jahren veröffentlicht, damals aber als eine Veränderung des Verhaltens der Insekten interpretiert. Jüngste Untersuchungen zeigen jedoch, dass es bei den Insekten zu einer Veränderung der Flügelform kam. Teils gibt es auch Hinweise auf eine gesteigerte Fitness (erhöhte Anzahl von Nachkommen oder größere Raupen). So zeigten neueste Untersuchungen am Baumwollkapselwurm bereits nach einer Generation deutlich veränderte Flügelformen bei männlichen und weiblichen Tieren, wenn deren Larven sich von Bt-Mais ernährt hatten.

Diese Effekte werden insbesondere durch den langjährigen und großflächigen Anbau von Gentechnikpflanzen befördert, weshalb sie im Rahmen von experimentellen Freilandversuchen leicht zu übersehen sind. In der Folge sind erhebliche Belastungen für die Umwelt möglich, wenn bspw. mehr Insektengift eingesetzt werden muss. Auch die landwirtschaftlichen Erträge können geschmälert und die Ernährungssicherheit gefährden werden.

Die Veröffentlichungen zu einem erhöhten Ausbreitungspotenzial der Fraßinsekten sind nur ein Beispiel von vielen, die zeigen, dass sich die Probleme von Gentechnikpflanzen oft erst beim längeren Anbau offenbaren. Weitere Beispiele sind höhere Fitness von Schädlingen, beschleunigte Ausbreitung von herbizidresistenten Unkräutern und Probleme bei Gentechnik-Papayabäumen, die von Viren befallen werden.

Vieles spricht dafür, dass auch Pflanzen aus Neuer Gentechnik (NGT) von ähnlichen Problemen betroffen sein können. Hier ist es bspw. nicht unwahrscheinlich, dass mittels NGT erzeugte Genvarianten, die oft von denen aus konventioneller Zucht abweichen, zu einer Schwächung der Pflanzengesundheit führen. Auch dadurch kann es zu einer verstärkten Ausbreitung von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten kommen. Besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass die EU bei den meisten NGT-Pflanzen künftig auf Risikoprüfung und Rückverfolgbarkeit verzichten will, wodurch sich Gefahren für Züchtung, Umwelt und Landwirtschaft weitgehend unbemerkt ausbreiten könnten.

Kontakt:

Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel 0151 54638040

Weiterführende Informationen

Studie zu Helicoverpa zea

Studie zu Spodoptera frugiperda

Studie zu Spodoptera exigua

Studie zu Diabrotica virgifera virgifera

Meldung zu Papaya-Bäumen