Gentechnik und unser Umgang mit der Natur

Die Entwicklungen rund um die Gen- und Biotechnologie werfen grundlegende Fragen über unser Verhältnis zur belebten Natur auf. Überlässt man diese Fragen den Technologen und der Industrie, so wird das Technisch-Machbare zumeist auch getan - oft ohne Rücksicht auf Mensch, Tier und Umwelt.

Leben besteht nicht aus einzelnen Genen, sondern organisiert sich in Zellen, Organismen und ihren Wechselwirkungen mit der Umwelt. Die kleinste lebende Einheit, die Zelle, ist als Lebensform ein Ganzes, Unteilbares, allenfalls Unterteilbares. Ihre Ordnung kommt als Verhältnis zwischen einzelnen Komponenten zum Tragen und ist durch die Analyse der einzelnen Teile nicht vollständig erfassbar. „Leben“ ist also in letzter Konsequenz immer ein Rückverweis auf das Ganze.

Die Gentechnik behandelt Lebewesen dagegen nur wie eine Anhäufung von DNA, deren Bestandteile wie Legosteine neu kombiniert werden können. Die Strategie der Macher besteht darin, die tatsächliche Komplexität der Lebensfunktionen zu reduzieren und sich den scheinbar kontrollierbaren Einzelteilen zuzuwenden. Der Ausschnitt, der so untersucht, kontrolliert und gemacht werden kann, ist aber immer nur eine Hilfskonstruktion, die oft im Hinblick auf wirtschaftliche Interessen gewählt ist und oft nicht mit der biologischen Realität übereinstimmt.

Genom und Epigenom stehen in beständigem Austausch mit der Umwelt. Sie sind Teil eines komplexen Systems, das über Milliarden von Jahren optimiert wurde und dessen Eigenschaften weit über die Summe ihrer einzelnen Bestandteile hinausgehen. Leben in seinen bestehenden Formen und in seiner weiteren Evolution ist ein Kontinuum mit seinem Ursprung, der Milliarden Jahre zurückliegt.

Wir haben heute die technischen Möglichkeiten, Zellen zu schaffen, die sich erheblich von denen unterscheiden, die aus der „Urzelle“ hervorgegangen sind. Wir können Leben schaffen, das mit den bestehenden Lebensformen in Wechselwirkung tritt und deren weitere Entwicklung, Selbstregulation, und ökologische Netzwerke verändert, stört oder gar zerstört. Vieles spricht dafür, dass wir am Beginn einer neuen gigantischen Umweltverschmutzung stehen: Der unkontrollierten Ausbreitung von technisch kreiertem Erbgut und entprchenden Organismen in der Biosphäre des Planeten Erde.

Es gibt konkreten gesetzlichen Regelungsbedarf: Jegliche Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen muss – so lange sie nicht verboten wird - mindestens räumlich und zeitlich begrenzbar sein. Ethische Grenzen müssen die Frage der Integrität des Erbgutes berücksichtigen. Die unabhängige Begleit– und Risikoforschung muss gestärkt werden. Zudem dürfen Gene und Lebewesen nicht patentiert werden.