Gentechnik und Tiere

Die ersten gentechnisch veränderten Säugetiere gab es bereits vor den ersten transgenen Pflanzen: Schon 1973 wurden die ersten Mäuse gentechnisch manipuliert. 1985 gab es erste gentechnisch veränderte Schafe und Schweine. Vermarktet werden sollen unter anderem Gentechnik-Fische und -Insekten.

Gentechnik-Tiere in der Landwirtschaft

In den 1980er und 1990er Jahren arbeitete man u.a. an Schweinen, die gripperesistent sein sollten, andere sollten ihr Futter besser verdauen oder wurden wurden mit Wachstumshormongenen traktiert. Schafe sollten Wolle produzieren, ohne geschoren werden zu müssen, Kühe gar menschliche Muttermilch produzieren. Einen erheblichen Schub erhielten die Bemühungen durch das Klonschaf „Dolly“: Vor Dolly war jedes Gentechnik-Tier eine Art Einzelstück, jetzt konnte man Kopien der manipulierten Tiere herstellen.

2015 wurde gentechnisch veränderter Lachs der Firma Aquabounty / Intrexon , in den USA zur Vermarktung zugelassen . Der Gentechnik-Lachs produziert zusätzliche Wachstumshormone und wächst deswegen achtmal schneller als normaler Lachs.
Auch Insekten werden gentechnisch verändert: Die britische Firma Oxitec entwickelt Gentechnik-Insekten für verschiedene Anwendungen. In Spanien und Italien hatte Oxitec einen Antrag auf experimentelle Freisetzung von gentechnisch veränderten Olivenfliegen gestellt. Hier sind die männlichen Tiere so manipuliert, dass ihre weiblichen Nachkommen sterben, die männlichen Nachkommen sind hingegen in ihrer Überlebensfähigkeit nicht eingeschränkt. Dadurch soll die Schädlingspopulation verkleinert beziehungsweise ausgerottet werden. Olivenfliegen gelten als invasiv, sie breiten sich rasch in geeigneten Lebensräumen aus - ein Experiment ohne jede Kontrollmöglichkeit.

Verschiedene Akteure bringen sich in Stellung, um hier ins Geschäft einzusteigen: Ein Beispiel ist die US-Firma Intrexon, die Patente auf Säugetiere hält, deren Genregulation durch Insekten-DNA gesteuert werden soll. Die Patente umfassen Mäuse, Ratten, Affen und Schimpansen, aber auch Rinder, Ziegen, Schweine und Schafe. Intrexon hat zudem große Anteile der Firma Aquabounty aufgekauft, die in den USA genmanipulierten Lachs verkaufen will. Auch Unternehmen, die auf das Klonen von Nutztieren spezialisiert ist, gehört zu Intrexon. 2015 hat Intrexon auch die Firma Oxitec aufgekauft, die gentechnisch veränderte Insekten vermarkten will.

Gentechnik-Tiere und Tierschutz

Der Einsatz der Gentechnik bei Säugetieren ist auf keinen Fall als ethisch neutral anzusehen, sondern grundsätzlich mit negativen Auswirkungen und Leiden bei den betroffenen Tieren verbunden. Werden leistungssteigernde Merkmale verfolgt, kann dies zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit der Tiere und Schmerzen führen.

Die Anzahl der Tierversuche mit gentechnisch veränderten Tieren steigt seit Jahren an. Jedes Jahr werden alleine in Deutschland zetwa eine Million transgene Tiere „verbraucht“. Neue Technologien wie das systematische Ausschalten von Genen („knock-out“) oder der Einbau neuer synthetischer DNA („knock-in“) lassen die Zahlen immer weiter ansteigen. Zudem werden immer mehr Patente auf gentechnisch veränderte Versuchstiere erteilt. In Europa wurden bislang mehr als 1500 Patente auf Tiere erteilt – darunter sogar auf gentechnisch veränderte Schimpansen. Die Möglichkeit, Patente auf diese Tiere zu bekommen, schafft wirtschaftliche Anreize für weitere Tierversuche.