Agro-Gentechnik

Wissenschaftlerin auf einem Mais-Versuchsfeld - Testbiotech
In Ländern wie den USA, Argentinien und Brasilien werden auf Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Es werden aber auch Fische gentechnisch manipuliert, damit sie schneller wachsen. Gentechnisch veränderte Fliegen sollen zur Bekämpfung von Schädlingen eingesetzt werden.

Der Unterschied zwischen Gentechnik und Züchtung

Die konventionelle Züchtung arbeitet mit ganzen Zellen und dem kompletten Erbgut von Pflanzen und Tieren. Die Gentechnik arbeitet dagegen mit isolierter DNA - nach dem Baustein-Prinzip. Die Aktivität der neu eingefügten DNA wird bei gentechnischen Verfahren erzwungen. Die normale Genregulation wird umgangen, damit in den Ziel-Organismen die neue biologische Information umgesetzt werden kann. Die Gentechnik steht damit im Gegensatz zu den Methoden der Züchtung: Sie versucht, den Pflanzen neue Stoffwechselwege aufzuzwingen, während die Züchtung das natürliche Potential der Pflanzen abruft. Auch die Mutationszüchtung basiert auf den Mechanismen der Evolution: Pflanzen sind ständig Reizen (wie dem UV-Licht) ausgesetzt, die Mutationen hervorrufen können. In ihrem Erbgut gibt es permanent Veränderungen. Es bleibt aber der natürlichen Genregulierung der Pflanzen überlassen, welche der Mutationen sich schließlich durchsetzen.
Die durch die Gentechnik erzwungene Veränderung der Gen-Funktion hat oft Auswirkungen auf die Aktivität anderer Gene in den Pflanzen. Diese unbeabsichtigten Effekte können sich auf das Genom, die Zelle und/oder den ganzen Organismus auswirken. Mittels Gentechnik werden den Pflanzen auch neue Proteine und Stoffwechselfunktionen aufgezwungen (beispielsweise die Produktion von Insektengiften durch Einfügen von Bakterien-DNA), die durch Mutationszüchtung nicht erreicht werden können und an die die Pflanzen nicht durch evolutionäre Prozesse angepasst sind. Den Unterschied zwischen Züchtung und gentechnischen Verfahren zu verstehen, ist wichtig, wenn es beispielsweise um die Untersuchung der Risiken für die Gesundheit oder um die Folgen einer Ausbreitung der Gene in die Ökosysteme und in den Genpool von Wild- und Ackerpflanzen geht.
Die Unterschiede zeigen sich auch in den konkreten Anwendungen der Gentechnik: Wünschenswerte Pflanzeneigenschaften - wie höhere Ernten oder Toleranz gegen widrige Umwelteinflüsse (z.B. Klimawandel) - sind mit Hilfe der Gentechnik schwer oder gar nicht zu erreichen. Hier sind moderne Züchtungsverfahren oft erfolgreicher. Das hat gute Gründe: In vielen Fällen beruhen die gewünschten Eigenschaften nicht auf einzelnen DNA-Abschnitten, sondern auf komplexen genetischen Wechselwirkungen. Diese können auf dem Weg der konventionellen Züchtung wesentlich besser bearbeitet werden als durch Übertragung von „Genbausteinen“.

Wem nützt die Gentechnik?

Das Saatgut der Gentechnik-Pflanzen stammt fast ausschließlich von Konzernen, die auch Pestizide herstellen: Monsanto, Dupont, Syngenta, Bayer und Dow Chemical heißen die Großen des internationalen Saatgutgeschäfts. Diese Konzerne kaufen kleinere Saatgutfirmen auf, patentieren Gene, und beanspruchen so die gesamte Wertschöpfung bis hin zum Verbraucher. Das Geschäft konzentriert sich im Wesentlichen auf fünf Länder: in den USA, Brasilien, Argentinien und Kanada werden vor allem gentechnisch veränderte Futtermittelpflanzen (Soja und Mais) und Baumwolle angebaut, in Indien ist es Gentechnik-Baumwolle. Fast alle dieser Pflanzen wurden mittels Gentechnik resistent gegen Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide) gemacht oder produzieren selbst Insektengifte (Insektizide). Zunehmend werden beide Eigenschaften kombiniert. Vorteile bieten diese Pflanzen unter Umständen für Landwirte, die bei der Bekämpfung von Unkräutern Zeit sparen wollen. Treten bestimmte Insekten als Schädlinge auf, kann die Ernte bei Gentechnik-Pflanzen, die in ihren Zellen Insektengifte produzieren höher ausfallen. Allerdings führen die derzeit zur Vermarktung zugelassenen gentechnischen Pflanzen nicht per se zu höheren Erträgen. Zudem passen sich auch Unkräuter und Insektenschädlinge an die Dauergift-Belastung auf den Gentechnik-Feldern an – die Evolution hebelt die Gentechnik aus. Die Landwirte spritzen in der Folge noch mehr Pestizide. Am Ende steigt so nicht nur ihr Arbeitsaufwand, sondern auch die Giftbelastung für die Umwelt.
Zudem führt die Verunreinigung mit gentechnisch verändertem Pflanzenmaterial zu Problemen in der Produktionskette von Lebensmitteln. Sie kann sowohl beim Saatgut, im Anbau oder auch bei der Verarbeitung zum Lebensmittel auftreten und unter anderem große wirtschaftliche Schäden verursachen. In der EU dürfen verschiedene Gentechnik-Pflanzen importiert und in Lebens- und Futtermitteln verwendet werden. Kommerziell angebaut werden gentechnisch veränderte Pflanzen hier hingegen nur in geringem Umfang.