Oktober 2009

Ein Argument, welches die Befürworter der Gentechnik immer wieder zur Rechtfertigung für die Forschung und Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen und Tiere hervorbringen, ist die Bekämpfung des Hungers in den Entwicklungsländern. Nach dem letzten Bericht der FAO vom Oktober 2009 ist die Zahl der Hungernden auf 1.02 Milliarden Menschen gestiegen. Dies ist aber nicht schlechten Ernten geschuldet, konstatiert der Bericht, sondern steigende Lebensmittelpreise, sinkende Einkommen und Arbeitslosigkeit verhindern vielen Menschen in den Entwicklungsländern den Zugang zu Nahrung. 1
Die Überproduktion in den Industrieländern und deren subventionierter Export zum Absatz landwirtschaftlicher Produkte in den Entwicklungsländern sind es vor allem, die Märkte und Produktion dort verschwinden lassen und das Hungerproblem auf dem Land - wo 80 Prozent der Hungernden leben - verschärft.
Gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere schaffen neue Abhängigkeiten durch Patente, regionales Saatgut wird verdrängt. Großflächiger Anbau in Monokulturen, z. B. mit gentechnisch veränderter Soja in Argentinien zur Tierfutter-Produktion für den Export, bringt Kleinbauern um ihre Existenz, die Ernährungssicherheit für die ländliche Bevölkerung verschlechtert sich. Boden und Wasser werden mit den für den Großanbau benötigten Pestiziden belastet, Regenwald und wertvolle Naturlandschaften müssen Ackerflächen weichen.
Der Nutzen, den gentechnisch veränderte Pflanzen bringen, kommt vor allem den sie entwickelnden Konzernen zugute. Sie verkaufen das gentechnisch veränderte Saatgut oft gleichzeitig mit den Pestiziden, gegen die es resistent gemacht wurde.
Nicht gentechnisch veränderte Pflanzen sind die Lösung zur Hungerbekämpfung in der Welt, sondern eine regional angepasste, nachhaltige Landwirtschaft. Dies hat auch der Weltagrarrat in seinem 2009 veröffentlichten Bericht festgestellt.2
Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag kommt ebenfalls zu dem Schluß: "Der bisherige Nutzen des Einsatzes transgenen Saatguts in Entwicklungs- und Schwellenländern erscheint in Bezug auf das Spektrum der Pflanzenarten, Sorten und Eigenschaften begrenzt."3

  1. 1. ftp://ftp.fao.org/docrep/fao/012/i0876e/i0876e.pdf
  2. 2. IAASTD, International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development: Summary for Decision Makers of the Global Report, 2009. http://www.agassessment.org/docs/IAASTD_GLOBAL_SDM_JAN_2008.pdf
    Der ganze Report "Agriculture at a crossroads" ist zu finden unter:
    http://www.agassessment.org/reports/IAASTD/EN/Agriculture at a Crossroads_Global Report (English).pdf
  3. 3. Sauter, Arnold: Transgenes Saatgut in Entwicklungsländern – Erfahrungen, Herausforderungen, Perspektiven, Endbericht zum TA-Projekt „Auswirkungen des Einsatzes transgenen Saatguts auf die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen in Entwicklungsländern“, Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag, Arbeitsbericht Nr. 128, November 2008; www.tab.fzk.de/de/projekt/zusammenfassung/ab128.pdf