Synthetische Biologie: Schavan führt Bundestag in die Irre

Irreführende Angaben zur staatlichen Förderung, Verharmlosung der Risiken

Mittwoch, 6. April 2011
München/ Berlin

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung macht irreführende Angaben zur finanziellen Förderung der Synthetischen Biologie. Auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Rene Röspel (SPD) antwortet das Ministerium von Annette Schavan (BT-Drs. 17/4898), dass es seit 2005 keine Forschungs- und Entwicklungsprojekte in diesem Bereich gefördert habe. Nach Recherchen von Testbiotech ist diese Aussage nicht korrekt.

So wurden in dem benannten Zeitraum beispielsweise Mittel für verschiedene Projekte von Firmen wie GeneArt und Entelechon bereit gestellt, die speziell im Bereich der Synthetischen Biologie tätig sind. Unterstützt werden auch Projekte, um den Stoffwechsel von Mikroorganismen für technische Zwecke grundlegend zu verändern. Dabei werden Universitäten, aber auch Firmen wie BASF mit erheblichen Mitteln gefördert. Demnach wurden aus Bundesmitteln auf jeden Fall mehrere Millionen Euro für die Technologie und ihr näheres Umfeld bereit gestellt – die genaue Höhe ist unklar.

Organismen wie Algen und Bakterien können mithilfe der Synthetischen Biologie so verändert werden, dass sie sich unter anderem zur Herstellung von Treibstoffen („Synthi-Fuels“) eignen. Dabei wird das Erbgut der Lebewesen nicht wie bei der bisherigen Gentechnik an einzelnen Stellen manipuliert, sondern es werden große Abschnitte verändert, das Erbgut kann auch vollständig synthetisiert werden. Die so hergestellten Organismen haben oft einen erheblich veränderten Stoffwechsel, ihre Risiken sind schwer einschätzbar.

„Das Ministerium von Schavan verschleiert, in welchem Umfang die Synthetische Biologie tatsächlich gefördert wird. Die Technologie und ihr direktes Umfeld werden mit erheblichen Summen unterstützt, gleichzeitig wird die notwendige Transparenz verweigert. Es entsteht der Eindruck, dass man eine offene Diskussion über die Förderziele der Regierung und die Risiken der Technologie vermeiden will,“ sagt Christoph Then von Testbiotech.

Die Bundesregierung vermeidet in ihrer Antwort eine klare Definition der Synthetischen Biologie. Dadurch ist nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien und in welcher Höhe sie ihre Fördermittel in diesem Bereich tatsächlich vergibt. Offensichtlich geht die Regierung davon aus, dass auch die Neusynthese von großen Abschnitten des Genoms und die Schaffung von Organismen mit stark verändertem Stoffwechsel nicht der Synthetischen Biologie zuzuordnen sind. Sie fördert entsprechende Projekte, unter irreführenden Titeln wie „Systembiologie“ oder allgemein unter der Rubrik „Biotechnologie“.

Die Bundesregierung erklärt weiter, dass sie keine Risiken für Mensch und Umwelt befürchtet, die nicht schon das Gentechnikgesetz abgedeckt wären und verweist zudem auf freiwillige Verpflichtungen der Firmen. Testbiotech kritisiert dagegen, dass es im Gentechnikgesetz beispielsweise kein vorbeugendes Verbot einer Freisetzung von Organismen mit künstlichem Erbgut gibt. Bereits im Januar hatte das Forschungsministerium gegenüber Testbiotech behauptet, dass beim Einsatz von Cyanobakterien mit synthetischem Erbgut, keine Gefährdung der Umwelt zu erwarten sei, weil diese in der freien Natur nicht überleben könnten. Rückfragen, auf welchen wissenschaftlichen Untersuchungen diese Einschätzung beruht, blieben bisher ohne Antwort.

2010 hat Testbiotech einen ersten Aufruf zum Schutz der Umwelt vor den Risiken der Synthetischen Biologie veröffentlicht, der von verschiedenen Organisationen und Institutionen unterstützt wird und bisher über 5000 Unterzeichner gefunden hat.

Kontakt: 

Weitere Informationen: Christoph Then, Tel., 0151 54 63 80 40, info@testbiotech.org

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