Fahrlässigkeit bei Prüfung von gentechnisch verändertem Mais

Testbiotech fordert Stopp der Marktzulassung von Mais 1507

Donnerstag, 22. April 2010
München

Der gentechnisch veränderte Mais 1507, der bald zum Anbau in Europa zugelassen werden soll, birgt Risiken für Gesundheit und Umwelt. Dies zeigt ein aktueller Bericht der Organisation Testbiotech. Demnach wurde der Mais 1507 von der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) nicht ausreichend geprüft.
Obwohl er eine extrem hohe Konzentration eines Insektengiftes in seinen Pollen aufweist, hatte die EFSA keine detaillierten Studien zu möglichen Risiken für Schmetterlinge und andere Insektenarten in Europa verlangt. Die Behörde interpretierte vorhandene wissenschaftliche Studien falsch und übersah zudem wichtige Ergebnisse einer Studie, die eine überraschend hohe Empfindlichkeit einer europäischen Schmetterlingsart (Wachsmotte) gegenüber Mais 1507 zeigt. Ergebnisse über andere, geschützte europäische Schmetterlingsarten wurden nicht veröffentlicht.

„Die EFSA handelt fahrlässig, sie hat es versäumt die vorliegenden Studien ausreichend zu bewerten. Zudem hat die Behörde wichtige Daten nicht verlangt, die für eine Risikobewertung des gentechnisch veränderten Mais unverzichtbar sind,” sagt Andreas Bauer-Panskus, der Autor des Testbiotech Reports. „Die Europäischen Regierungen sollten jetzt ein klares Zeichen setzen und den Bericht der EFSA zurückweisen sowie die Zulassung des Mais 1507 stoppen.“
Der Mais 1507 produziert ein Insektengift, das Bt-Toxin Cry1F. Es kommt in der Natur im Bodenorganismus Bacillus thuringiensis vor. Das Bt-Gift in Mais 1507 wirkt anders als das in MON810 und ist für mehr Insektenarten giftig. Zudem toleriert der Mais 1507 auch das Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat (Markennamen Liberty oder Basta), von dem bekannt ist, dass es beim Menschen Gesundheitsschäden hervorruft. Der Testbiotech Bericht weist auf eine ganze Reihe von zusätzlichen Unsicherheiten in der Sicherheitsbewertung hin, die auch mögliche gesundheitliche Risiken für Menschen betreffen.
Die EFSA bewertete den Mais 1507 schon 2005 als sicher, ihr Bericht wurde aber von der Europäischen Kommission und verschiedenen Mitgliedsstaaten kritisiert. 2008 gab die EFSA eine weitere Stellungnahme mit der gleichen Einschätzung wie 2005 ab. Wenn die Europäischen Agrarminister den gentechnisch veränderten Mais 1507 ebenfalls als sicher bewerten, werden dieser und der Mais Bt11 die nächsten gentechnisch veränderten Pflanzen sein, die nach MON810 und der Stärke-Kartoffel Amflora in der EU zum Anbau freigegeben werden.

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