Europäisches Patentamt hält Patente auf gentechnisch veränderte Schimpansen aufrecht

Testbiotech kündigt Beschwerde an

Dienstag, 29. September 2015

Das Europäische Patentamt (EPA) hält zwei Patente der US-Firma Intrexon aufrecht. In ihren Patenten EP1572862 und EP1456346 beansprucht Intrexon gentechnisch veränderte Mäuse, Ratten, Kaninchen, Katzen, Hunde, Rinder, Ziegen, Schweine, Pferde, Schafe und sogar Schimpansen als ihre Erfindung. Testbiotech hatte gemeinsam mit anderen Organisationen aus ethischen Gründen Einspruch gegen die Patente erhoben. Demnach stellen derartige Patente einen kommerziellen Anreiz für die Durchführung von Tierversuchen dar. Testbiotech will jetzt Beschwerde gegen die Entscheidung einlegen.

Laut Patentschrift sollen Schimpansen und andere genannte Tiere mit Genen manipuliert werden, die unter anderem nach Vorlage des Erbguts von Insekten synthetisiert wurden. Diese künstliche DNA soll die Kontrolle verschiedener Genfunktionen ermöglichen.

„Dieser Fall sendet ein deutliches Signal an die Öffentlichkeit, an Investoren und die Politik, dass ethische Grenzen viel größeres Gewicht bekommen müssen. Gentechnisch veränderte Versuchstiere werden heute als lukratives Produkt gehandelt, von Patenten geschützt und massiv beworben. Ohne klare Gesetzgebung versuchen die Firmen weiterhin maximalen Profit auf Kosten der Tiere zu machen", sagt Christoph Then für Testbiotech.

Intrexon sieht sich selbst als ein „führendes Unternehmen im Bereich der Synthetischen Biologie“ und ist sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Pharmaforschung tätig. Die US-Firma hat Unternehmen aufgekauft, die Nutztiere klonen und gentechnisch veränderten Lachs produzieren. Intrexon ist auch auf dem Gebiet gentechnisch veränderter Bäume engagiert und hat jüngst die Firma Oxitec übernommen, die gentechnisch veränderte Olivenfliegen freisetzen will.

Testbiotech wirft Intrexon unmoralische Geschäftspraktiken vor, weil die Firma auf Profite aus der gentechnischen Manipulation sogar von Menschenaffen und einer unkontrollierbaren Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen spekuliert. Zwei andere Biotech-Firmen waren dagegen nach Einsprüchen von Testbiotech bereit, ihre Patentansprüche auf Menschenaffen aufzugeben.

Zu den Einsprechenden gehören neben Testbiotech die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Cruelty Free International (früher British Union for the Abolition of Vivisection), Deutscher Tierschutzbund, Gen-ethisches Netzwerk (GeN), Gesellschaft für ökologische Forschung, Jane Goodall Institut, Kein Patent auf Leben!, Menschen für Tierrechte, Pro Wildlife, Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie (SAG), Schweizer Tierschutz (STS), TASSO und die Wild Chimpanzee Foundation Deutschland (WCF).

Kontakt: 

Christoph Then, Tel.: 0151 54638040, info@testbiotech.org